Als Grund für seinen Rückzug nannte Theiner einen Facebook-Eintrag von Arno Kompatscher. Kompatscher selbst gab sich wenig später „überrascht und auch verletzt“.Der Dritte im Bunde, Elmar Pichler Rolle, hofft indes, dass alles nur ein böser Traum sein möge. Im STOL-Interview spricht er von einer möglichen Rückkehr Theiners und davon, dass er sich lieber aus der Diskussion herausraushält.Südtirol Online: Herr Pichler Rolle, gestern waren sie noch zu dritt, heute nur noch zu zweit. Wie ist die Stimmung?Elmar Pichler Rolle: Ich bedauere das. Es wäre interessant, bei den Wahlen eine breitere Auswahl zu haben.STOL: Haben Sie mit Theiner gesprochen?Pichler Rolle: Ich habe gestern lange mit Theiner gesprochen. Dabei habe ich ihn auch gebeten, das alles zu überdenken und zu überschlafen. Ich kann den Zorn verstehen, hoffe aber, dass der Zorn dann verraucht und dass er dann wieder zurückkehren und sich dem Wettbewerb der Ideen stellen kann. Wenn dem so ist, gut, ansonsten muss man eben weitermachen.STOL: Glauben Sie an einen Rücktritt vom Rücktritt?Pichler Rolle: Es gibt solch schwierige Momente. Jeder muss mit sich im Reinen sein. Auch ich habe solche Momente durchgemacht und ich habe großen Respekt davor, wie immer auch die Entscheidung von Richard Theiner ausfällt. Das muss er aber für sich allein urteilen. Wenn er zurückkommt, soll es den Vorwurf „Rücktritt vom Rücktritt“ nicht geben. Wichtig ist, dass man das, was er jetzt entscheidet, respektiert. Dritte sollten das nicht kommentieren.STOL: Sie kennen Theiner nun schon länger: Schätzen Sie seine Reaktion als impulsiv oder als überlegt ein?Pichler Rolle: Ich bin nicht er. Und ich will nicht zu denen gehören, die sagen, was sie an seiner Stelle gemacht oder anders gemacht hätten. Das ist immer eine subjektive Geschichte. Man muss in der Politik Vieles aushalten können, das habe ich mittlerweile gelernt.STOL: Wenn es auf Facebook einen solchen Berlusconi-Vergleich mit Ihnen gegeben hätte, könnten Sie also nicht sagen, wie Sie reagiert hätten.Pichler Rolle: Ich hätte den Mitbewerber vielleicht darauf hingewiesen, dass man über die Sache argumentieren soll. Es ist schwierig zu sagen, was ich getan hätte. Auf alle Fälle ist es wichtig, die Sache zu sehen, sich darauf zu konzentrieren, was unser Land weiterbringt und die sogenannten Nebenschauplätze wegzulassen. Das ist das Entscheidende.STOL: Könnte man sagen: Es ist Wahlkampf, da muss man etwas aushalten können?Pichler Rolle: Aushalten muss man immer etwas können. Wenn einer aber sagt, es ist mir jetzt aus ganz bestimmten Gründen zu viel, dann möge es so sein. Ich möchte mich aber in diese Geschichte nicht einbringen. STOL: Nach außen macht die SVP immer öfter das Bild einer intern zersplitterten Partei.Pichler Rolle: Das sehe ich nicht so. Theiner hat erklärt, dass er das Amt des Parteiobmannes auf jeden Fall weiter ausüben wird, dass er einige Positionen mit mehr Deutlichkeit vertreten wird. Er übernimmt – wenn er nicht zurückkehrt – eine Garanten-Funktion. Jetzt müssen wir schauen, dass es gut weitergeht. Wenn diese Wahl vorbei sein wird, haben unsere Mitglieder eine Entscheidung getroffen. Diese muss man akzeptieren und man muss gemeinsam in die gleiche Richtung rudern. Wir dürfen nicht vergessen: Wir haben nicht nur ein, zwei oder drei Köpfe, sondern die Liste wird 35 Namen umfassen. Das bedeutet, dass wir sehr viele Männer und Frauen auf der Liste haben. Ich sehe das bei weitem nicht so dramatisch.STOL: Sollte es keine Theiner-Rückkehr geben, gibt es nur noch Kompatscher und Sie. Räumen Sie sich dadurch bessere Chancen für die Basiswahlen ein?Pichler Rolle: Ich habe das vorher gleich gesehen, wie ich es jetzt sehe: Ich wünsche mir, dass die Mitglieder der Südtiroler Volkspartei die Person beurteilen, dass sie ihre bisherigen Leistungen und ihre Geschichte, aber auch ihre Ideen so objektiv als möglich bewerten und dann ihre Entscheidung treffen. Was immer dann herauskommt, ist zu akzeptieren. Das ist ganz einfach.STOL: Es heißt, um Sie herum könnte sich eine Allianz gegen Kompatscher bilden, da er sich durch seinen Facebook-Eintrag keinen Gefallen getan habe.Pichler Rolle: Ich glaube, dass es wichtig ist, dass wir alle für etwas eintreten. Wir sind als Südtirol in einer sehr guten Ausgangslage, aber es gibt einige Flanken: die Autonomie gegenüber Rom, die angespannte Lage am Arbeitsmarkt, das wirtschaftliche Umfeld, die Jugendarbeitslosigkeit. Wir sollten alle in diese Richtung hinarbeiten – für etwas, aber ganz bestimmt nicht gegen jemanden oder gegen etwas.Interview: Barbara Raich