Die Beobachterorganisation CRTA meldete bis 10 Uhr eine Wahlbeteiligung von 19,7 Prozent. Dies entspricht der höchsten Wahlbeteiligung um diese Uhrzeit seit den Wahlen im Jahr 2016. Praktisch vor allen Wahllokalen waren laut Medienberichten schon in den frühen Morgenstunden lange Warteschlangen zu sehen. Auch in Wien bildete sich vor dem serbischen Konsulat eine Warteschlange mit Menschen, die ihre Stimme abgeben wollten, wie ein APA-Fotograf berichtete.<BR /><BR />Von einem ernsteren Zwischenfall wurde aus einer Ortschaft in der Nähe der Großstadt Niš berichtet, wo eine Gruppe von etwa 30 Männern in ein Wahllokal eindrang, um die Wahlkommission zu bedrohen. In Novi Sad führte die Polizei eine Personengruppe aus einem Kaffeehaus ab, nachdem der Verdacht aufgetaucht war, dass dort Stimmen für die SNS gekauft worden waren. Ansonsten verlief der Wahlsonntag in den ersten Stunden ruhig.<BR /><BR />Für den früheren Präsidenten Serbiens Aleksandar Vucic und die seit 2012 regierende Serbische Fortschrittspartei SNS steht heute viel auf dem Spiel. Vucic war Ende September vom Posten des Staatschefs vorzeitig zurückgetreten - seine Amtszeit würde noch bis Mai 2027 laufen -, um im Falle eines erneuten SNS-Sieges das Premiersamt zu übernehmen.<BR /><BR />Zum ersten Mal seit ihrer Machtübernahme ist die SNS mit einem starken Gegner - der „Studentenliste - Studenten werden siegen“ - konfrontiert. Der Studenten-Protestbewegung ist es in den vergangenen zwei Jahren, in denen sie für Rechtsstaatlichkeit und funktionierende Institutionen kämpfte, offensichtlich gelungen, durch Protestmärsche und im Direktkontakt mit Bürgern diese wie keine Oppositionspartei zuvor zu mobilisieren.<BR /><BR />Den Anstoß für die Studentenproteste lieferte am 1. November 2024 der Einsturz des Bahnhofvordaches in der Stadt Novi Sad. Dabei kamen 16 Personen ums Leben. Das Gebäude war kurz zuvor renoviert worden. In der Öffentlichkeit wurde der Unfall weitestgehend auf Korruption zurückgeführt. Einen Gerichtsprozess in dieser Causa hat es bis dato nicht gegeben.