Freitag, 22. November 2019

Holocaust-Überlebende zu Vorsitz von Anti-Hass-Kommission bereit

Trotz aller Anfeindungen und antisemitischer Drohungen will die 89-jährige Holocaust-Überlebende Liliana Segre in Italien den Vorsitz einer Parlamentskommission gegen Hass und Intoleranz übernehmen.

Wenn ihr der Vorsitz angeboten würde, wäre sie dazu bereit.
Wenn ihr der Vorsitz angeboten würde, wäre sie dazu bereit. - Foto: © ANSA / MATTEO BAZZI

Wenn ihr der Vorsitz angeboten würde, wäre sie dazu bereit, sagte Segre der Zeitung „Corriere della Sera“ vom Freitag. Ex-Innenminister Matteo Salvini von der rechtsradikalen Lega hatte zuletzt für Empörung gesorgt, weil er Morddrohungen gegen die Senatorin auf Lebenszeit heruntergespielt hatte.

„Ich bin erschöpft. Ich wurde zu sehr in die Öffentlichkeit gerückt, es gab zu viel Hass, zu viele Auseinandersetzungen, einen zu hohen Bekanntheitsgrad“, sagte die 89-Jährige der Zeitung. Dennoch glaube sie an das Projekt der Kommission zur Bekämpfung von „Intoleranz, Rassismus, Antisemitismus und Hass“ und sie sei „keine, die etwas einfach aufgibt“, hob sie hervor.

Segre erhielt unzählige antisemitische Hassbotschaften

Der italienische Senat hatte im Oktober für die Einsetzung der Kommission gestimmt, nachdem die Überlebende des Vernichtungslagers Auschwitz dazu aufgerufen hatte. Salvinis rechtsradikale Lega und andere rechte Parteien enthielten sich der Stimme.

Segre wurde Anfang November wegen Hunderter täglich an sie gerichteter Hassbotschaften und antisemitischer Drohungen unter Polizeischutz gestellt. Salvini hatte daraufhin die Morddrohungen gegen die Senatorin heruntergespielt. Gegenüber Journalisten in Florenz fragte er Anfang November, warum die Drohungen gegen Segre mehr Aufmerksamkeit erregten als gegen ihn ausgesprochene Drohungen.

apa/afp