Donnerstag, 20. August 2020

Hongkong zensiert Schulbücher

In Hongkong lernen Schüler bisher in einem eigenen Unterrichtsfach das kritische Denken – doch jetzt sollen die Schulbücher dazu zensiert werden. Wie Medien in der chinesischen Sonderverwaltungszone am Donnerstag berichteten, ordnete die Hongkonger Regierung an, „heikle“ Stellen aus den Schulbüchern zu streichen. Die Regierung erklärte, es sollten „fehlerhafte Elemente aus der Vergangenheit“ ausgesiebt werden.

In Hongkong lernten Schüler bisher in einem eigenen Unterrichtsfach das kritische Denken – doch jetzt sollen die Schulbücher dazu zensiert werden.
In Hongkong lernten Schüler bisher in einem eigenen Unterrichtsfach das kritische Denken – doch jetzt sollen die Schulbücher dazu zensiert werden. - Foto: © shutterstock
Kritiker sehen in dem Vorgehen einen weiteren Angriff auf die Meinungsfreiheit in der Wirtschaftsmetropole, in der die Peking-treuen Behörden seit dem Inkrafttreten eines umstrittenen Sicherheitsgesetzes Ende Juni massiv gegen die Opposition vorgehen. Die Bildungspolitik steht im Fokus Pekings, Peking-treue Politiker werfen den Schulen Hongkongs vor, die Opposition zu unterstützen. Gefordert wird eine verstärkte Erziehung zum Patriotismus.

Kritisches Denken lernen

Schüler an weiterführenden Schulen in Hongkong haben das Fach „Liberale Studien“, in dem sie kritisches Denken lernen sollen. Aus den dazugehörigen Schulbüchern sollen die Verlage nun Stellen zu zivilem Ungehorsam sowie Fotos mit bestimmten Protest-Botschaften entfernen. Außerdem sollen die Namen einiger Parteien nicht mehr genannt werden.

Die Lehrergewerkschaft HKPTU warf der Bildungsbehörde der Stadt politische Zensur vor. Die Änderungen „verwässern oder verzerren sogar die Realität in der Gesellschaft“, erklärte die Gewerkschaft. Die Regierung wies Zensurvorwürfe zurück und erklärte, die Änderungen würden den Schülern helfen, „positive Werte“ zu entwickeln.

Meinungsfreiheit für Hongkong

Großbritannien und China hatten bei der Übergabe der ehemaligen britischen Kolonie 1997 einen Vertrag geschlossen, der die Meinungsfreiheit in Hongkong für 50 Jahre garantieren sollte. Das von China durchgesetzte, sogenannte Sicherheitsgesetz zu Hongkong sieht allerdings lange Haftstrafen für Rufe nach mehr Autonomie oder Unabhängigkeit für Hongkong vor. Wegen des Gesetzes wurde bereits eine Reihe von Aktivisten festgenommen. Schulen und Bibliotheken in der Stadt haben manche Bücher aus ihren Regalen verbannt.

apa/afp