Mittwoch, 05. Juni 2019

Hunderte Bauern protestieren gegen den Wolf

Einige Hundert Landwirte aus ganz Südtirol sind am Mittwoch nach Bozen zur Anti-Wolf-Kundgebung gekommen. Ausgerüstet mit Kuhglocken und Spruchbändern, protestierten sie lautstark gegen den Wolf. Mit etwa 80 Traktoren fuhren sie durch die Landeshauptstadt in Richtung Landtag.

Foto: DLife
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Gegen 10 Uhr trafen sich Hunderte Bauern mit ihren Traktoren in der Vives in Bozen Süd. 4 davon dürfen bis an den Eingang des Silvius-Magnago-Platzes vorrücken. Auf einer Länge von 250 Metern wurden geschätzte 80 weitere Trekker in der Garibaldistraße beim Bahnhof geparkt. 

Zeno Frei: „Situation ist nicht mehr tragbar“

Im STOL-Interview sprach Landwirt Zeno Frei und Mitorganisator der Kundgebung Klartext. „Die Situation ist nicht mehr tragbar, mehrere Betriebe mussten bereits schließen“, so Frei. „Auf unseren Almen und in unseren Dörfern muss der Wolf weg. Er ist auch für unsere Kinder gefährlich. Und Herdenschutz funktioniert in Südtirol einfach nicht.“

Hunderte Wolfgegner vor dem Landtag

Ab 11 Uhr ergriffen dann die Redner vor dem Landtag das Wort, darunter der Ex-Geschäftsführer des Jagdverbandes, Heinrich Aukenthaler („Unterschutzstellung des Wolfes“), SBB-Bergbauernvertreter Alberich Hofer („Almwirtschaft“) und Hubert Fleckinger, Bauer aus dem Wipptal und Mitorganisator der Protestkundgebung gegen den Wolf. „Ein bisschen schwanger geht nicht und ein bisschen Wolf eben auch nicht: In Südtirol hat der Wolf nicht Platz“, so Fleckinger.

Hubert Fleckinger bei seiner Protestrede vor dem Landtag. Foto: DLife

Bauernbundobmann Leo Tiefenthaler betonte, dass die Situation in Südtirol mit 1.200 bewirtschafteten Almen und dem Tourismus nicht mit jenen in anderen Alpenregionen verglichen werden könne, die seit Jahrzehnten von der Abwanderung betroffen seien. Jede Region solle deshalb auf Grundlage der eigenen Situation entscheiden können.

Leo Tiefenthaler am Silvius-Magnago-Platz. - Foto: DLife

Den „Wolfsriss in Mauls und seine Folgen“ rief Schafzüchterin und Hotelbesitzerin Irene Stafler in Erinnerung. Über die Beziehung zwischen Tier/Landwirtschaft sprach Bergbauer Ulrich Gögele. Von Almwirtschaft und Herdenschutz aus tiermedizinischer Sicht berichtete Tierarzt Helmuth Gufler. Die Bergbauern schilderten eindringlich die Schwierigkeiten, denen sie seit dem Auftreten des Wolfs gegenüberstehen. Neben den Mühen mit der Haltung der Schafe und Ziegen müssten sie sich nun auch mit der Wolfabwehr beschäftigen. Der Wolf habe keine Konkurrenz und keine Scheu mehr, sich den Häusern zu nähern, er sei damit auch eine Gefahr für den Menschen. „Wir können unsere Kinder nicht mehr vors Haus lassen“, sagt die Bäuerin eines Hofs, vor dem kürzlich Tiere gerissen wurden. Die Einzäunung sei im steilen, teils felsigen Gelände unmöglich und auch nicht effizient.

Landwirtschaftslandesrat Arnold Schuler stellte sich dann den Demonstranten auf dem Platz und unterhielt sich mit den Bauern. Im STOL-Interview erklärte er, dass es notwendig sei, Südtirol zu einer sensiblen Zone zu erklären.

Fraktionsvorsitzende für eine gemeinsame Linie gegenüber Rom und Brüssel

Eine Delegation der Demonstranten traf anschließend im Landtagsgebäude die Fraktionssprecher im Landtag und Landtags-Präsident Josef Noggler. Die Bauern luden die Abgeordneten ein, sich ein Bild vor Ort zu machen und, vor allem, schnell zu handeln. Die Fraktionsvorsitzenden sprachen sich mehrheitlich für eine gemeinsame Linie gegenüber Rom und Brüssel aus, eine Übernahme der Zuständigkeit durch das Land und eine Zusammenarbeit mit Nachbarregionen. 

Das Treffen mit den Fraktionsvorsitzenden. - Foto: Werth

Am kommenden Samstag geht der Protest auf der Straße weiter.

Am Parkplatz der Talstation der Rosskopf-Seilbahn in Sterzing startet am Samstag um 10 Uhr ein weiterer Protestmarsch gegen den Wolf, der die Teilnehmer durch die Innenstadt von Sterzing führt. Am Stadtplatz findet dann die Abschlusskundgebung statt.

D/bv/stol/vs

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stol