Donnerstag, 12. September 2019

Hunderte Migranten erreichen Griechenland

Der Flüchtlingszustrom aus der Türkei nach Griechenland dauert an. Binnen 24 Stunden erreichten 427 Migranten bis Donnerstag früh die Inseln Rhodos, Lesbos und Samos im Osten der Ägäis und damit die EU, wie die griechische Küstenwache mitteilte. In den für insgesamt rund 6.300 Menschen ausgelegten Registrierlagern auf Lesbos, Chios, Samos, Leros und Kos harren bereits mehr als 20.000 Menschen aus.

Die Situation auf den griechischen Inseln sei „sehr schwierig“.
Die Situation auf den griechischen Inseln sei „sehr schwierig“. - Foto: © APA/AFP

Weitere 4.000 Menschen sind in kleineren Lagern und Wohnungen untergebracht. Am Vortag war der Leiter des viel kritisierten Registrierlagers von Moria auf Lesbos, Giannis Balbakakis, zurückgetreten. Er gehe erhobenen Hauptes, sagte er der halbamtlichen griechischen Nachrichtenagentur ANA MPA. „Ich bin müde“, ergänzte Balbakakis. Humanitäre Organisationen kritisieren seit Jahren die Zustände in Moria und anderen Lagern auf den Inseln.

Das deutsche Innenministerium rief Griechenland am Donnerstag auf, mehr Flüchtlinge in die Türkei rückzuführen. Es müsse klar sein, „dass wir dringend Fortschritte bei den zu geringen Rückführungen in die Türkei benötigen, um die heikle Lage in den Hotspots auf den Inseln zu verbessern“, sagte der Parlamentarische Staatssekretär Stephan Mayer (CSU) den Funke-Zeitungen. Die Situation auf den griechischen Inseln sei „sehr schwierig“. Besonders betroffen seien unbegleitete Minderjährige, für die dringend Verbesserungen erreicht werden müssten, sagte Mayer.

Ein im März 2016 geschlossener Flüchtlingspakt zwischen der EU und der Türkei sieht vor, dass die EU alle Migranten, die illegal über die Türkei auf die griechischen Inseln kommen, zurückschicken kann.
Die Bearbeitung der Asylanträge kommt wegen Personalmangels jedoch auch heute auf den griechischen Inseln nur mühsam voran. Die neue konservative griechische Regierung, die seit Juli im Amt ist, hat angekündigt, die Asylverfahren zu beschleunigen. Wer kein Asyl bekommt, soll sofort in die Türkei zurückgeschickt werden. Für die Bearbeitung der Asylanträge soll es mehr Personal geben.

apa/dpa/afp

stol