Montag, 13. März 2017

"Ich bin immer ein Freiheitlicher geblieben"

2013 hat Hannes Zingerle bei den Landtagswahlen 2.529 Stimmen erhalten. Er war der erste Nichtgewählte auf der Liste der Freiheitlichen. Ein Jahr später gingen er und seine Partei getrennte Wege. 2017 trifft man sich wieder. Hannes Zingerle folgt auf Pius Leitner. STOL hat mit Zingerle über seinen Einzug in den Landtag gesprochen.

Hannes Zingerle ist 2015 in den Vintler Gemeinderat gewählt worden. Als Kandidat einer unabhängigen Bürgerliste. - Foto: Facebookaccount Hannes Zingerle/Screenshot
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Hannes Zingerle ist 2015 in den Vintler Gemeinderat gewählt worden. Als Kandidat einer unabhängigen Bürgerliste. - Foto: Facebookaccount Hannes Zingerle/Screenshot

Südtirol Online: Herr Zingerle, Sie werden bald als Abgeordneter Zingerle angesprochen werden.
Hannes Zingerle: Ich komme in diesem Moment von der Skipiste (Hannes Zingerle arbeitet als Skilehrer Anm. d. R.) und habe die neue Nachricht eben über die Medien erfahren. Ich muss das Ganze erst mal realisieren, ich bin gerade noch etwas sprachlos.

STOL: Wissen Sie schon, ab wann Sie im Landtag sitzen werden?
Zingerle: Nein. Terminlich weiß ich noch gar nichts, da habe ich noch nichts gehört.

STOL: Sie werden aber in den Landtag einziehen?
Zingerle: Ja, mit Sicherheit. Dafür bin ich schon zu lange politisch tätig, als dass ich das nicht annehmen würde. Ich war ja über 10 Jahre für die Freiheitlichen aktiv, bis die Freiheitlichen und ich wegen ein paar Gschichtlen nicht mehr zusammen konnten. Ich bin aber immer ein Freiheitlicher geblieben und von den freiheitlichen Inhalten nie abgewichen.

STOL: Das heißt, Sie nehmen bei den Freiheitlichen Platz?
Zingerle: Da müssen zunächst ein paar Geschichten geklärt werden. Und da erwarte ich mir, dass gewisse Leute mit mir das Gespräch suchen. Und nicht umgekehrt. Denn da sind Geschichten vorgekommen, die passen auf keine Kuhhaut.

STOL: Sie meinen die Anschuldigungen von Ulli Mair und Sigmar Stocker, Sie hätten den berühmt-berüchtigten Penisring-Kassazettel den Medien zugespielt?
Zingerle: Ja, genau. Unter anderem meine ich das. Die Meldungen dazu habe ich ja dann in den Medien gelesen. Dass ich anscheinend diesen Kassazettel weitergeleitet hätte. Mit mir persönlich hat darüber ja keiner geredet. Das hätte ich mir eigentlich schon erwartet, dass man auch mit mir spricht, wenn man mich verdächtigt. Gerade weil ich für die Partei ehrenamtlich so lange an vorderster Front tätig war.

STOL: Nicht gerade eine gute Grundlage für ein konstruktives Miteinander, oder?
Zingerle: Na ja, es ist jetzt ein bisschen Zeit vergangenen. Ich bin politisch aber immer ein Freiheitlicher gewesen. Natürlich müssen jetzt mal Gespräche folgen. Und ich erwarte mir, dass die von der anderen Seite gesucht werden.

STOL: Eingeschriebenes Freiheitlichen-Mitglied sind Sie aber nicht?
Zingerle: Das stimmt.

STOL: Wie man hört, haben vor den Landtagswahlen alle Freiheitlichen Kandidaten einen Vertrag unterschrieben. Was steht denn in diesem Vertrag?
Zingerle: Einen Vertrag? Da fragen Sie mich zu viel. Ich musste so viele Zettel unterschreiben (lacht). Ja, kann sein. Aber ich kann mich nicht daran erinnern. Ehrlich. Ich will es aber auch nicht bestreiten. Das ist zu lange her.

STOL: Herr Zingerle, welche Themen wollen Sie im Landtag besetzen?
Zingerle: Für eine Antwort darauf ist es noch zu früh. Ich bin wirklich erst vor 5 Minuten mit den Kindern von der Skipiste zurückgekommen und habe das Ganze noch nicht realisiert. Dafür ist es einfach noch zu früh.

STOL: Wie sieht denn Ihr weiterer Nachmittag aus? Party?
Zingerle: (lacht) Ich werde wohl ein paar Mal ans Handy müssen…Wenn man nachrückt, weil jemand verurteilt wurde, dann ist das kein großer Grund zum Feiern. Das möchte ich schon auch betonen. Es gibt bei größeren Straftaten weitaus geringere Urteile…Also dieses Urteil ist wirklich für alle überraschend gekommen. Für den Pius genauso, wie für mich.

STOL: Sie bedauern seinen Abgang?
Zingerle: Ja, natürlich. So etwas hat er sich sicherlich nicht verdient. Die Geschichte mit dem Rentenskandal war schlimmer, da haben die Leute auch mehr mit dem Kopf geschüttelt, als bei dieser Geschichte.

STOL: Ein letzter Satz, Herr Zingerle. Ich beginne, Sie beenden. „Es braucht an frischen Wind…“
Zingerle: (lacht) Ich weiß, das war mein Motto im Landtagswahlkampf. Also…In der jetzigen allgemeinen politischen Situation, in der die Politikverdrossenheit am größten ist, auch nach den anderen Skandalen, würde es der gesamten Politik sicher nicht schaden, wenn ein neues Gesicht kommt.

Interview: Andrej Werth

stol