Donnerstag, 02. Dezember 2021

„Ich werde jetzt meinen Sohn aus dem Spital abholen“

Sebastian Kurz zieht sich nach 10 Jahren aus der Politik zurück. Er erklärte am Donnerstag überraschend seinen Rücktritt als Bundesparteiobmann und Klubobmann der ÖVP. Der 35-Jährige begründete diesen Schritt einerseits mit der Geburt seines Sohnes vergangene Woche und gleichzeitig mit den Vorwürfen und Ermittlungen gegen seine Person. „Die Entscheidung ist mir nicht leicht gefallen, aber ich empfinde keine Wehmut.“

Kurz Sebastian Kurz verlässt die politische Bühne.
Kurz Sebastian Kurz verlässt die politische Bühne. - Foto: © APA/HANS KLAUS TECHT / HANS KLAUS TECHT

Nachfolger könnte unbestätigten Informationen zufolge Innenminister Karl Nehammer werden. Spekuliert wird über eine größere Regierungsumbildung im ÖVP-Team.

SVP-Obmann Philipp Achammer zeigt sich im STOL-Interview nicht überrascht vom Rückzug von Sebastian Kurz aus der Politik. Er betont aber, dass dies ein großer Verlust für die ÖVP und auch für Südtirol sei.


Fragen zu seiner persönlichen Zukunft beantwortete Kurz nicht. „Ich werde jetzt aufbrechen und meinen Sohn und meine Freundin aus dem Spital abholen“, war das einzige, was Kurz im Abgang zu entlocken war. Klar ist vorerst nur, dass August Wöginger wieder alleiniger Klubobmann im Nationalrat wird.

Nicht offiziell ist vorerst der Aufstieg Nehammers an die Parteispitze. Auch ob Nehammer - wie zu erwarten wäre - das Kanzleramt übernimmt, blieb vorerst offen. Der ÖVP-Vorstand soll dazu am Freitag beraten. Danach werde es eine „geordnete Übergabe“ aller politischen Funktionen geben, kündigte Kurz an.

Zuvor hatte der scheidende ÖVP-Obmann 20 Minuten lang seine Karriere revuepassieren lassen, sich bei Unterstützern und Förderern bedankt sowie die Gründe für seinen Abgang erläutert. Die 10 Jahre in der Politik seien die „Ehre meines Lebens“ gewesen, sagte Kurz. Zwar habe man in der Politik stets „fast ein bisschen das Gefühl, gejagt zu werden“, aber: „Das hat mein Team und mich zu Höchstleistungen motiviert.“

Die Ereignisse der letzten Monate hätten seine Leidenschaft für die Politik aber doch ein Stück weit getrübt, spielte Kurz auf die Korruptionsermittlungen an. Die Geburt seines Sohnes habe ihm schließlich gezeigt, „wie viel Schönes und Wichtiges es auch außerhalb der Politik gibt“.


Seine beruflichen Pläne ließ der scheidende ÖVP-Chef offen: „Für mich beginnt somit ein neues Kapital in meinem Leben, das ich mit heute aufschlagen darf. Vor allem freue ich mich darauf, einmal Zeit mit meinem Kind und meiner Familie zu verbringen. Und ich werde das genießen, bevor ich mich persönlich im neuen Jahr beruflich neuen Aufgaben widmen werde.“

apa