Freitag, 05. Oktober 2018

„Ich wurde durch Bergbäuerinnen radikalisiert“

Seit 25 Jahren setzt sich Monika Hauser (59) mit aller Kraft für schwer traumatisierte Frauen in Kriegsgebieten ein. Zwar hat sie mit „Medica Mondiale“ über 150.000 Opfern helfen können, dennoch kämpft sie weiterhin gegen Widerstände auf allen Ebenen an.

Monika Hauser. - Foto: DLife
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Monika Hauser. - Foto: DLife

Am Anfang war die Wut. Dazu ein ausgeprägter Gerechtigkeitssinn und blankes Entsetzen über die Massenvergewaltigungen im Balkankrieg sowie über die vielfach voyeuristische Berichterstattung. „Als Frauenärztin wollte ich den traumatisierten Frauen helfen und baute 1993 in der Stadt Zenica zusammen mit Gleichgesinnten das erste Therapiezentrum für die Überlebenden auf“, blickt sie auf die Geburtsstunde ihrer Hilfsorganisation „Medica Mondiale“ zurück.

Betroffenen Frauen medizinische, psychosoziale und juristische Hilfe anbieten

Hauser wurde vom Frauenbüro des Landesbeirates für Chancengleichheit nach Südtirol eingeladen und zieht hier bei diversen Veranstaltungen eine Bilanz.

Dank ihres Einsatzes wurden in 25 Jahren mehr als 150.000 betroffene Frauen und Mädchen „wieder ins Leben zurückgeführt“ und viele Mitstreiterinnen in den Krisenherden dieser Welt gefunden. Heute ist „Medica Mondiale“ in Syrien, Irak, Liberia, Afghanistan und weiteren Konfliktregionen bemüht, betroffenen Frauen medizinische, psychosoziale und juristische Hilfe anzubieten. Nur mit einem ganzheitlichen Ansatz kann wahrhaftig geholfen werden, ist Hauser überzeugt. 

Foto: DLife

Wahre Heldinnen

Bei den Mitstreiterinnen handelt sich um wahre Heldinnen, die sich nicht nur um Opfer sexualisierter Gewalt kümmern, sondern immerzu selbst mit Aggressionen rechnen müssen. „Unser Einsatz muss aber auch stets mit politischer Menschenrechtsarbeit verbunden sein, um langfristig etwas zu verändern“, gibt sie zu bedenken. Es sei einfach nicht hinzunehmen, dass zwar 75 Prozent der Aktivisten weiblich sind, jedoch nur 5 Prozent Frauen an den Verhandlungstischen sitzen.

„Wo bleibt der politische Wille, tatsächlich etwas zum Besseren zu ändern“, mahnt sie mit Nachdruck im Palais Widmann, während sie gezielt die anwesenden Männer im Saal anspricht. Schnell lässt sich erkennen, wie stark Hauser nach wie vor für ihre Sache brennt, wie leidenschaftlich die vielfach ausgezeichnete Aktivistin kämpft.

„Durch Bergbäuerinnen radikalisiert“

„Radikalisiert wurde ich einst durch Bergbäuerinnen im Vinschgau, als ich merkte, was häusliche Gewalt anrichtet“, spannt die Aktivistin einen Bogen zu ihrer Südtiroler Vergangenheit. Hauser wurde in der Schweiz als Kind Südtiroler Eltern geboren, vor allem von ihrer Großmutter erfuhr sie von Gewalt gegen Frauen, nach ihrem Medizinstudium arbeitete sie als Assistenzärztin in Südtirol.

Abschließend findet sie auch mahnende Worte zur aktuellen politischen Lage: „Das Integrationsbarometer besagt, dass 3 Viertel der Menschen die Problematik der Migration und deren Folgen sachlich akzeptieren, aber ganz Europa handelt im Sinne der rechtsgerichteten Politik mit Abschottung – das kann es einfach nicht sein.“ Hauser kämpft weiter – unermüdlich, auf allen Fronten und gegen alle Widerstände.

D/az

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stol