Donnerstag, 02. Januar 2020

Immer noch Tausende Säcke mit zerrissenen Stasi-Akten

Rund 30 Jahre nach dem Mauerfall können zerrissene Stasi-Akten in Tausenden Säcken immer noch nicht ausgewertet werden.

Im Herbst 1989 wollten Stasi-Offiziere massenhaft Akten vernichten. Nachdem die Reißwölfe heiß liefen, wurde auch per Hand zerfetzt.
Im Herbst 1989 wollten Stasi-Offiziere massenhaft Akten vernichten. Nachdem die Reißwölfe heiß liefen, wurde auch per Hand zerfetzt. - Foto: © shutterstock

Die Papiere werden zur Zeit ausschließlich per Hand zusammengesetzt – die vor 2 Jahren gestoppte Rekonstruktion per Computer sei bislang nicht wieder in Gang gekommen, sagte der Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Roland Jahn, der Deutschen Presse-Agentur.

„Aber wir geben nicht auf“, betonte der frühere DDR-Oppositionelle.
Knapp 20 Mitarbeiter in Berlin und mehreren Außenstellen der Bundesbehörde fügen laut Jahn derzeit in mühevoller Kleinarbeit Schnipsel zusammen. Von einst 16.000 Säcken mit sichergestellten Stasi-Papieren wurde bislang lediglich der Inhalt von 520 erschlossen, davon Papiere aus 23 Säcken am Computer. Die manuelle Rekonstruktion könnte noch Jahrzehnte dauern.

Bereits 6 Millionen Euro in Projekt gesteckt

In das Projekt zum virtuellen Puzzeln von Akten flossen bislang mehr als 6 Millionen Euro. Erwartet wurde eine schnelle und umfassende Zusammensetzung. Doch das Vorhaben wurde vor 2 Jahren auf Eis gelegt, weil die technischen Voraussetzungen für ein Massenverfahren nicht reichten und spezielle Scanner fehlten.

Im Herbst 1989 wollten Stasi-Offiziere massenhaft Akten vernichten. Nachdem die Reißwölfe heiß liefen, wurde auch per Hand zerfetzt. Bürgerrechtler stoppten die Aktion. Die zerrissene Hinterlassenschaft wurde in den Säcken gelagert. Daneben blieben 111 Regal-Kilometer unversehrte Papiere erhalten.

dpa