Dienstag, 12. Januar 2021

Vorerst kein Lockdown in Südtirol – Abweichung von Roms Impfprotokoll

Die Landesregierung ist am Dienstag zu ihrer wöchentlichen Sitzung zusammengekommen. Im Fokus stand dabei natürlich wieder Covid-19. In der anschließenden Pressekonferenz erläuterten Landeshauptmann Arno Kompatscher und Gesundheitslandesrat Thomas Widmann alle wichtigen Entscheidungen zum Thema und erläuterten die veränderte Impfstrategie.

Thomas Widmann bei der Pressekonferenz am heutigen Dienstag. - Foto: © Land Südtirol
In ganz Europa seien die Zahlen im Steigen begriffen, so Landeshauptmann Kompatscher, Maßnahmen seien teils verlängert oder auch verschärft worden.

Auch in Rom finden derzeit Beratungen statt, wie die Maßnahmen auf staatsweiter Ebene aussehen sollen. Geplant sei eine Neueinteilung der Regionen je nach Infektionsgeschehen. Wie berichtet sollen zahlreiche gelben Zonen orange werden und orange Zonen rot, wenn die Reproduktionszahl 1,25 erreicht.

Laut Kompatscher gebe es in Südtirol momentan eine relativ stabile Situation, die Schule und Arbeit zulässt, auch wenn in einigen Bereichen der Druck steigt.



„Derzeit keine Verschärfung, aber ...“

Deshalb wurde am heutigen Dienstag – auch aufgrund der Einschätzung von verschiedenen Experten – keine Verschärfung der Maßnahmen in Südtirol beschlossen. Die Experten werden nun laut Kompatscher die entsprechenden Schwellenwerte festgelegen, aufgrund derer strengere Maßnahmen automatisch in Kraft treten sollen. Im Rahmen einer neuen Verordnung, welche voraussichtlich am Samstag (16. Jänner) in Kraft treten wird, sollen die entsprechenden Details festgelegt werden. Sprich: Ab bestimmten Zahlen und wenn der Druck auf die Krankenhäuser zu groß wird, werden wieder strengere Maßnahmen, die dann jenen der roten Zone entsprechen würden, eingeführt.

Diese strengen Regeln würden dann 3 Wochen gelten, damit sie überhaupt wirken. Einmal mehr appellierten Kompatscher und Widmann deshalb an alle Menschen, sich an die derzeit geltenden Regeln der „gelben Zone“ und die allgemeinen Anti-Covid-Regeln zu halten, Treffen zu vermeiden, Hände oft zu reinigen, Mund-Nasen-Schutz zu tragen und Abstand zu halten: „Es liegt jetzt an allen, sich an die Regeln zu halten, denn davon wird es abhängen, ob wir die mit den Experten festgelegten Schwellenwerte überschreiten und ob strengere Maßnahmen kommen.

Südtirol könne derzeit die aktuellen Regelungen auch beibehalten, weil derzeit aufgrund der Reisebeschränkungen kein Tourismus möglich sei und nur die Südtiroler Situation berücksichtigt werden müsse, so Kompatscher.

„Ansteckungen auf einer Plateausituation“

Gesundheitslandesrat Thomas Widmann unterstrich anschließend die Ausführungen des Landeshauptmannes anhand einiger Daten und erklärte, dass man die Situation in den Krankenhäusern noch im Griff habe. Was die Intensivstation anbelange, befinde man sich auf einem Plateau, die Zahlen auf den Normalstationen seien allerdings leicht im Steigen begriffen.

Nun sei es essenziell, die Situation von Tag zu Tag zu beobachten, noch wisse man nämlich nicht, welche Auswirkungen Silvester haben wird. Gibt es über mehrere Tage einen kontinuierlichen Anstieg, der das Gesundheitssystem zu stark belastet, müsse und werde man handeln.

„Erfahrungsgemäß kann man sagen, dass sich die Situation sehr rasch ändern kann“, sagt Widmann. „Wenn wir 8 oder 9 Mal so viel testen, wie es italienweit der Fall ist,- täglich liegen wir derzeit bei fast 11.000 Tests - so filtern wir mehr Fälle heraus und haben mehr Positive“, rechnet der Gesundheitslandesrat vor und betont: „Wir wollen aber auch weiterhin viel testen, viele herausfiltern, um Infektionsketten zu unterbrechen und die Lage unter Kontrolle zu haben.“

„60 Prozent der Impfdosen wollen wir verimpfen“

Insgesamt seien in Südtirol bis heute 23.545 Impfdosen angekommen. Widmann erklärte, dass der Impfstart aufgrund verschiedenster Faktoren nicht optimal gelaufen sei. Doch das solle sich ab jetzt ändern.

Am heutigen Dienstag habe man sich etwa das Ziel gesetzt, bis Ende der Woche 60 Prozent der gelieferten Impfdosen zu verimpfen. Dabei werde man vom staatlichen Protokoll abweichen, das Okay vom Ministerium habe Südtirol bereits bekommen.

Das heißt, ab jetzt werden jene Impfdosen, die innerhalb des Sanitätsbetriebes nicht verbraucht werden (etwa weil sich jemand nicht impfen lassen will), an andere Kategorien vergeben, etwa an über 80-Jährige oder an andere Hochrisikogruppen.

vs