Mittwoch, 17. Juni 2020

In Bidens Vize-Casting dürfte eine Afroamerikanerin gewinnen

Joe Bidens Bewerberinnen-Casting läuft schon seit Wochen – hat jetzt aber eine neue Dynamik bekommen. Der US-Demokrat hatte schon im März versprochen, dass er mit einer Frau als Vize-Kandidatin in den Wahlkampf gegen Präsident Donald Trump ziehen will. Seit massive Proteste gegen Rassismus und Polizeigewalt die USA in Atem halten, scheint alles auf eine Afroamerikanerin hinauszulaufen.

Einst war er Stellvertreter des ersten schwarzen Präsidenten der USA. Nun deutet alles darauf hin als würde Joe Biden den Spieß umdrehen und im Falle seiner Wahl eine Afroamerikanerin zu seiner Vizepräsidentin machen.
Einst war er Stellvertreter des ersten schwarzen Präsidenten der USA. Nun deutet alles darauf hin als würde Joe Biden den Spieß umdrehen und im Falle seiner Wahl eine Afroamerikanerin zu seiner Vizepräsidentin machen. - Foto: © APA/afp / JIM WATSON
Und es gibt gleich mehrere Kandidatinnen mit guten Chancen. Die Senatorin Kamala Harris, die Abgeordnete Keisha Lance, die Bürgermeisterin von Atlanta, Keisha Lance Bottoms, die frühere Nationale Sicherheitsberaterin Susan Rice, die Ex-Regionalabgeordnete Stacey Abrams – ihre Namen fielen zuletzt am häufigsten.

Biden aber will sich noch einige Wochen Zeit lassen, eine Entscheidung wird rund um den 1. August erwartet. Der 77-jährige Politikveteran, der dem ersten schwarzen US-Präsidenten Barack Obama 8 Jahre lang (2009-17) als Vize diente, weiß um die Bedeutung des Amtes.

Die Auswahl eines „running mate“ ist ein langwieriger Prozess, bei dem viele Faktoren berücksichtigt werden. Der Stellvertreter soll den Präsidentschaftskandidaten ergänzen und seine möglichen Schwächen ausgleichen, außerdem wichtige Wählergruppen ansprechen.

Nach dem Tod des Afroamerikaners George Floyd bei einem brutalen Polizeieinsatz dürfte aber die Hautfarbe eines der zentralen Entscheidungskriterien für Biden sein. Rassismus und die andauernde Diskriminierung von Afroamerikanern in den USA haben die Coronavirus-Krise aus den Schlagzeilen weitgehend verdrängt – und dürften auch im Wahlkampf eine zentrale Rolle spielen.

„Die schwarze Wählerschaft verlangt jetzt einen schwarzen Vizepräsidenten“, sagt der Politikprofessor Daniel Gillion. „Wenn Biden nicht eine schwarze Frau für die Vizepräsidentschaft auswählt, werden viele Menschen verärgert und enttäuscht sein.“

Der Politologe Kyle Kondik warnt zwar, dass bis zur Bekanntgabe der Personalie noch einige Wochen vergehen werden, in denen viel passieren könnte. Nach jetzigem Stand aber gebe es für Biden „viele Gründe“, eine Afroamerikanerin auszuwählen.

apa/afp

Schlagwörter: