Seit etwa einem Jahr regiert die SVP Bozen mit Mitte-Rechts – zum ersten Mal in der Geschichte der Stadt. Leicht war die Zusammenarbeit bisher nicht, betont Vizebürgermeister Stephan Konder in einem Interview, jetzt wolle man sich ausschließlich auf die Arbeit konzentrieren, um die im Koalitionsprogramm angekündigten Lösungen für die Probleme der Stadt umzusetzen. <BR /><BR /><BR /><BR /><b>Bei den italienischen Koalitionsparteien gibt es immer wieder Unruhe und Streit. Wie hat das die Arbeit der Stadtregierung beeinträchtigt?</b><BR /><BR />Stephan Konder: Es hat die Arbeit sicher nicht erleichtert. Wir würden uns alle wünschen, uns nun ausschließlich auf die Arbeit konzentrieren zu können. Insgesamt ist die Zusammenarbeit aber gut.<BR /><BR /><BR /><b>Zentrales Wahlkampfthema war der Wohnbau. Welche Projekte werden konkret vorbereitet?</b><BR /><BR />Konder: Im Juni wird am Hadrianplatz ein neues Studentenheim mit 200 Betten eröffnet, das um 100 weitere erweitert werden könnte. Dadurch werden Wohnungen frei. Heuer wird die Gemeinde den Durchführungsplan für die Ex-Gorio-Kaserne am Bozner Boden genehmigen, wo rund 200 Wohnungen entstehen. Läuft alles nach Plan, könnten die Bauarbeiten Ende 2027 oder Anfang 2028 beginnen. Schon angelaufen sind die Arbeiten des Hotel Stiegl, wo rund 40 Wohnungen entstehen. Weitere private Bauprojekte gibt es etwa in der Drususallee und auf dem Ex-Eder-Areal am Bozner Boden. Darüber hinaus startet 2027 ein Ideenwettbewerb für die zukünftige Entwicklung der Huber-Kaserne, wo ab 2028 oder 2029 bis zu 420 Wohnungen gebaut werden. In den nächsten sieben Jahren sind 800 bis 1.000 neue Wohnungen geplant. Klar ist, dass die Abläufe der öffentlichen Verwaltung oft komplex sind und große Projekte lange Vorlaufzeiten benötigen.<BR /><BR /><BR /><b>Im Jänner wurde im Neubruchweg die Umwandlung von Büros zu Wohnungen genehmigt. Gibt es weitere Projekte?</b><BR /><BR />Konder: Derzeit nicht, aber sollten neue Projekte vorgelegt werden, unterstützt die Stadtverwaltung sie auf jeden Fall.<BR /><BR /><BR /><b>Stichwort Sicherheit: Das Land hat einen privaten Wachdienst für Teile der Altstadt angekündigt. Ab wann ist dieser im Einsatz?</b><BR /><BR />Konder: Zur Verbesserung der Sicherheit in Bozen wurden im vergangenen Jahr schon mehrere Maßnahmen umgesetzt. In problematischen Zonen, etwa am Kapuzinerpark und dem Verdiplatz, gibt es verstärkte Polizeipräsenz. Dort hat sich die Situation deutlich verbessert. Zudem hat der Gemeinderat auf Vorschlag des Stadtrates beschlossen, die Stadtpolizei für eine Testphase von sechs Monaten mit zwei „Tasern“ auszurüsten. Was den privaten Sicherheitsdienst betrifft, läuft die Ausschreibung. Ende Juni sollte der Zuschlag erfolgen, dann kann das Projekt in der Altstadt starten.<BR /><BR /><BR /><b>In Haslach ist das Rosenbach-Areal an die Gemeinde übergegangen. Wie geht es jetzt weiter?</b><BR /><BR />Konder: Derzeit prüft die Gemeinde, ob sie im Sommer eine Marktanalyse startet, um zu klären, ob es Interessenten gibt, die dort ein Seniorenzentrum mit 120 Betten bauen und betreiben würden. Die Alternative ist, sofort einen Wettbewerb für die Umsetzung des Projekts nach dem Vorbild des Seniorenzentrums Grieserhof auszuschreiben. Übernimmt ein privater Träger, etwa eine Stiftung, das Projekt, sind die Baukosten meist niedriger und die Umsetzung schneller. Zudem können Private Heime flexibler führen als gemeindeeigene Strukturen. Generell ist es von Vorteil, neben der öffentlichen Hand auch private Strukturen zu haben.<BR /><BR /><BR /><b>Startet das Projekt Rosenbach noch innerhalb dieser Legislatur, also bis zum Jahr 2030?</b><BR /><BR />Konder: Das ist unser Ziel. Ich hoffe, dass der Bau Ende 2028 oder im Jahr 2029 beginnen kann. <BR /><BR /><BR /><b>Für Bau und Führung der Tiefgarage am Siegesplatz läuft ein Rekurs beim Staatsrat. Wie lange verzögert sich der Bau?</b><BR /><BR />Konder: Der Staatsrat in Rom hat den Antrag auf Aussetzung der Arbeiten abgelehnt. Die vorbereitenden Arbeiten für das Ausführungsprojekt, auch die Ausschreibung der Arbeiten, können also weiterlaufen. Ich hoffe, dass die Bauarbeiten spätestens Anfang 2027 beginnen. Letztlich hat der Rekurs zu einer Verzögerung von etwa sechs Monaten geführt.<BR /><BR /><BR /><b>Wann stellt das Land der Gemeinde die definitive Hörtenberg-Tunnel-Variante vor?</b><BR /><BR />Konder: Einen konkreten Termin gibt es nicht, aber laut Landesrat Alfreider steht die Studie vor dem Abschluss. Klar ist aber, dass die südliche Zu- und Abfahrt wegen des Grundwassers nicht wie geplant am Bozner Boden gebaut wird, sondern weiter weg von der Stadt in Richtung „Mila“. <BR /><BR /><BR /><b>Die Eisackuferstraße soll um zwei Fahrspuren erweitert werden. Wie sieht es mit den Enteignungen aus?</b><BR /><BR />Konder: Die Gespräche der Gemeinde mit den Eigentümern laufen. Hoffentlich können sie bis Ende des Jahres gütlich abgeschlossen werden, denn ohne Einigung dauert es länger.<BR /><BR /><BR /><b>Das Stadtbild hat sich durch Schmierereien und Graffiti, die es mittlerweile überall gibt, deutlich verschlechtert. Gibt es Pläne der Gemeinde?</b><BR /><BR />Konder: Es gibt einen ausgearbeiteten Rahmenvertrag der Gemeinde mit der SEAB. Derzeit werden aber zwei Punkte rechtlich geprüft. Einerseits ist zu klären, ob ein solches Projekt zur Entfernung von Schmierereien an öffentlichen und privaten Gebäuden ausgeschrieben werden muss, oder ob der Auftrag direkt an die gemeindeeigene SEAB vergeben werden kann. Sonst kann es zu Rekursen kommen. Zudem ist zu klären, inwiefern eine Säuberung auch bei Privaten erfolgen kann, die sich ja eigentlich selbst darum kümmern müssen. Auch hier gilt es zu klären, ob Eigentümer rechtlich gegen die SEAB vorgehen könnten.