Der ethnische Proporz regelt in Südtirol den Zugang zu den öffentlichen Stellen. Gemäß der letzten Sprachgruppenerhebung sind diese anteilsmäßig zu 69 Prozent der deutschen, zu 26 Prozent der italienischen und zu 5 Prozent der ladinischen Sprachgruppe vorbehalten.<h3> 58 Prozent Italiener bei Staatsbahnen</h3>Über eine Landtagsanfrage kann Leiter Reber offenlegen, dass der ethnische Proporz in den staatlichen Institutionen auf Landesebene wie dem Fürsorgeinstitut NISF/INPS, den Staatsbahnen oder der Post bei Weitem nicht eingehalten wird. So liegt beispielsweise die Verteilung bei der Post insgesamt bei 58 Prozent deutschsprachigen Angestellten und 38 Prozent italienischsprachigen, bei den Staatsbahnen arbeiten sogar 58 Prozent Italiener (siehe Grafik). <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1103265_image" /></div> Doch damit nicht genug, „je höher die Führungs- und Gehaltsebenen, desto mehr Italiener und umso weniger deutsche Mitarbeiter lassen sich finden“, kritisiert Leiter Reber. Auch hier lohnt sich ein – beispielhafter – Blick auf die Statistik von Post und Bahn: Bei den hohen Funktionsebenen A1 und A2 liegt der Anteil der Italiener bei der Post bei 50 Prozent bzw. darüber. <h3> Es fehlt Personal</h3> Und noch etwas zeigen die Statistiken: Bei der Agentur der Einnahmen und schlimmer noch beim Rechnungshof ist der Personalmangel akut. „Dementsprechend scheint da der Proporz manchmal zweitrangig zu sein“, folgert Leiter Reber. <BR /><BR />Dennoch gilt auch hier: Während auf den untersten 3 Funktionsebenen am Rechnungshof noch 68 Prozent deutsche und ladinische und 32 Prozent italienische Mitarbeiter beschäftigt sind, finden sich in den höchsten Funktionsebenen plötzlich 66 Prozent Italiener und nur noch 44 Prozent Deutsche. <BR /><BR />Bei der Agentur der Einnahmen ein ähnliches Bild: Die Ebene der höheren Beamten ist zu 53 Prozent italienisch, zu 45 Prozent deutsch und zu 2 Prozent ladinisch besetzt. Erst bei den Assistenten überwiegt knapp der Anteil der deutsch- und ladinischsprachigen Angestellten mit 51 Prozent.<BR /><BR /><embed id="dtext86-67616652_quote" /><BR /><BR />„Wir bemängeln ständig den sogenannten 'Brain-Drain', die Abwanderung gut ausgebildeter junger Leute aus unserem Land. Gleichzeitig tun wir aber nichts dagegen, dass sogar wichtige und gut dotierte Führungspositionen unbesetzt oder von Beamten aus anderen Provinzen übernommen werden“, bemängelt Leiter Reber. <BR /><BR />Er sieht Handlungsbedarf: „Die Stellenausschreibungen müssen gezielter und transparenter beworben werden und das bereits an den Bildungseinrichtungen und Universitäten. Ich schlage zudem vor, dass – ähnlich wie bei den Gemeindesekretären – – Vorbereitungskurse für die Stellenausschreibungen der staatlichen Agenturen angeboten werden. Da darf auch ruhig das Land aktiv werden, denn es sollte im ureigensten Interesse der Südtirolautonomie sein, dass sich junge und gut ausgebildete Südtiroler aller 3 Sprachgruppen bewerben und sie sich auf allen Funktionsebenen in den öffentlichen Stellenplänen wiederfinden.“