der „Tages-Anzeiger“ (Zürich) :„Der gestrige Tag hat (...) allem Anschein zum Trotz das Ende der Regierung Berlusconi eingeläutet. Er ist schwer angeschlagen. Durch Gianfranco Fini wird seine politische und moralische Integrität nun auch aus dem bürgerlichen Lager angegriffen.(...) Die gestrige Abstimmung hat nur Verlierer hervorgebracht, Italien inbegriffen. Bereits hat die vergiftete Stimmung vom politischen Parkett auf die Straße übergegriffen. Die Politik hat sich erneut als unfähig erwiesen, dem Land eine Zukunftsperspektive zu geben. Je länger dieser Zustand anhält, desto gefährlicher wird er. Der gestrige Tag hat eine neue Phase der Instabilität eingeleitet.“„Basler Zeitung“:„Berlusconi steht jetzt nicht als strahlender Sieger da; sein Intimfeind Fini allerdings hat gestern eine nachhaltige Niederlage einstecken müssen. Dass seine junge FLI nicht kompakt war, bedeutet für die Entwicklung einer modernen konservativen Partei einen harten Rückschlag. Dabei hätte Italien eine solche ebenso nötig wie eine moderne progressive Partei.“„La Stampa“ (Turin):„Der 14. Dezember ist endlich vorbei, und Berlusconi ist im Sattel geblieben in einem weiteren Gefecht seines totalen Krieges gegen den ehemaligen Bündnispartner und Abgeordnetenhauspräsidenten Fini. Doch eine Regierung, die sich mit nur drei über Nacht errungenen Stimmen Vorsprung rettet, hat wenig Grund zu feiern. Ihre einzige Sorge müsste heute sein, die Fähigkeit zurückzugewinnen, die eigentlichen Interessen und Bedürfnisse des Landes zu erkennen, und nicht nur ihr eigenes nacktes Überleben.“„Sud-Ouest“ (Bordeaux):„Warum es verheimlichen? Ein Sturz Berlusconis wäre eine gute Nachricht gewesen, für Italien und Europa. Dieses Land verdient etwas Besseres als diesen ineffizienten und dekadenten Politiker, dessen Verhalten eher an den Niedergang des römischen Reichs als an die Blütezeit der römischen Zivilisation erinnert. (...) Berlusconi hat einmal mehr gewonnen, aber die Schlinge zieht sich zu. Die Straße wird rebellisch, das haben die von Gewalt begleiteten Demonstrationen in Rom gezeigt. Die Spaltung zwischen Nord und Süd verschlimmert sich, aber auch die zwischen dem legalen Staat und dem faktischen Staat. Dabei ist nicht ausgeschlossen, dass Berlusconi vorgezogene Wahlen mit Hilfe eines für ihn günstigen Wahlrechts gewinnen würde. Es wird höchste Zeit, dass dieser Hampelmann nicht mehr auf den Familienfotos der EU oder G-20-Staats- und Regierungschefs erscheint.“„ABC“ (Madrid):„Der knappe Sieg unter diesen höchst unruhigen Umständen könnte als Triumph Berlusconis gesehen werden. Die Tatsache ist aber, dass er Italien nicht die politische Stabilität garantiert, die das Land benötigt. Die Spaltung der italienischen Gesellschaft wird mit großen Schritten radikaler, und die Legitimität des Cavaliere als Regierungschef wird weiter auf der Straße und in den Institutionen angezweifelt werden. Berlusconi sollte einsehen, dass Italien eine Erneuerung der politischen Klasse braucht und dass seine Rolle darin besteht, diesen Prozess zu erleichtern, statt auf einer wilden Flucht ins Nichts zu beharren.“