Freitag, 29. Mai 2020

Intransparente Zahlen? Lombardei unter Beschuss

Die Lombardei, die von der Coronavirus-Pandemie am stärksten betroffene italienische Region, ist mit dem Vorwurf konfrontiert, mit Zahlen zu den Covid-19-Todesopfern und Infektionsfällen wenig transparent umgegangen zu sein. Der Verdacht wurde von der lombardischen Behörden vehement bestritten.

Die Lombardei ist schon seit Wochen mit dem Vorwurf konfrontiert, auf ineffiziente Weise mit dem Coronavirus-Notstand umgegangen zu sein, der in der Region fast 16.000 Todesopfer verursacht hat.
Die Lombardei ist schon seit Wochen mit dem Vorwurf konfrontiert, auf ineffiziente Weise mit dem Coronavirus-Notstand umgegangen zu sein, der in der Region fast 16.000 Todesopfer verursacht hat. - Foto: © ANSA / Filippo Venezia
Für Aufsehen sorgte am Donnerstag das wissenschaftliche Institut GIMBE, das der Region Lombardei vorwarf, Zahlen der Covid-19-Infizierten auf nicht korrekte Weise veröffentlicht zu haben.

„In der Lombardei haben sich in den letzten drei Monaten zu viele komische Dinge abgespielt“, betonte GIMBE-Präsident Nino Cartabellotta.
Aus dem Spital entlassene Patienten seien als geheilt gemeldet worden. Hinzu sei es zu erheblichen Verspätungen bei der Mitteilung der Zahlen der Todesopfer und Neuinfizierten gekommen. „Diese Verspätungen waren vielleicht in der akutesten Phase des Notstands gerechtfertigt, nicht jetzt. Es ist, als ob es das Bedürfnis bestünde, die Zahl der diagnostizierten Fälle unter Kontrolle zu halten“, so Cartabellotta im Interview mit „Radio 24“.

Das Institut bemängelte eine immer noch hohe Zahl von Infizierten in 3 norditalienischen Regionen – Lombardei, Ligurien und Piemont – und warnte daher vor einer Wiedereinführung der Reisefreiheit ab kommender Woche, wie sie die Regierung in Rom plant.
Die Regionalbehörden der Lombardei verklagten das Institut auf Verleumdung. Die Region sei stets mit größter Transparenz mit den Zahlen der Infizierten umgegangen, hieß es.

Die Lombardei ist schon seit Wochen mit dem Vorwurf konfrontiert, auf ineffiziente Weise mit dem Coronavirus-Notstand umgegangen zu sein, der in der Region fast 16.000 Todesopfer verursacht hat. Die Regionalbehörden werden unter anderem beschuldigt, die Covid-19-Gefahr in den Seniorenheimen unterschätzt zu haben. Wegen dieses Verdachts laufen Justizermittlungen. Der lombardische Präsident Attilio Fontana wurde am Freitag befragt.

apa/stol