Samstag, 11. Januar 2020

Iran räumt „unbeabsichtigten“ Flugzeug-Abschuss ein

Der Iran hat den versehentlichen Abschuss des ukrainischen Passagierflugzeugs eingeräumt.

Der Iran hat den versehentlichen Abschuss des ukrainischen Passagierflugzeugs eingeräumt.
Der Iran hat den versehentlichen Abschuss des ukrainischen Passagierflugzeugs eingeräumt. - Foto: © APA (AFP/IRNA) / AKBAR TAVAKOLI

Die am Mittwochfrüh abgestürzte Maschine mit 176 Passagieren an Bord sei nahe an ein sensibles Militärgelände herangeflogen und für ein „feindliches Flugzeug“ gehalten worden. Es habe sich um „menschliches Versagen“ gehandelt, hieß es in einer im Staatsfernsehen am Samstag verlesenen Mitteilung des Militärs.

Verantwortliche wurden zur Rechenschaft gezogen

Die Verantwortlichen würden innerhalb des Militärs zur Rechenschaft gezogen, hieß es. Die iranischen Streitkräfte bedauerten den Vorfall und sprachen den Familien der Opfer ihr Mitleid aus. Zuvor hatte der Iran einen Abschuss der Maschine vehement bestritten und erklärt, eine technische Ursache habe zu der Katastrophe geführt.

Ein Abschuss sei technisch und wissenschaftlich absurd, hatte der Leiter der iranischen Luftfahrtbehörde, Ali Abedsadeh, erklärt. Die Untersuchungen würden bald erweisen, dass die Amerikaner mit solchen Gerüchten nur versuchten, das international angekratzte Image von Boeing nicht noch weiter zu beschädigen. Regierungssprecher Ali Rabiei hatte gesagt, die US-Regierung solle bei der technischen Aufklärung der Absturzursache mithelfen, statt Lügen zu verbreiten und „Psychospielchen“ zu betreiben.

Zarif spricht von Teilschuld der USA

Der iranische Außenminister Mohammad Jawad Zarif gab am Samstag den USA eine Teilschuld an dem versehentlichen Abschuss. Sie seien für die aufgeheizte Atmosphäre verantwortlich, die zu dem menschlichen Fehler geführt habe, twitterte er. Die USA haben vergangene Woche den iranischen General Qassem Soleimani getötet.

Bei dem Crash waren alle 176 Menschen an Bord gestorben. Kurz vor dem Absturz am Mittwoch hatte der Iran 2 von US-Soldaten genutzte Stützpunkte im Irak angegriffen. Danach war die ukrainische Maschine abgestürzt. Am Freitag hatten sich bereits mehrere EU-Staaten, die USA und Kanada davon überzeugt gezeigt, dass es sich um einen wohl versehentlichen Abschuss durch den Iran handeln müsse. Unter den Absturzopfern waren 57 Kanadier.

Ermittlungen begannen am Freitag

Am Freitag hatten die Ermittlungen zur Ursache des Absturzes begonnen. Iranische und ukrainische Experten nahmen ihre Arbeit in einem Labor am Flughafen Mehrabad in der Hauptstadt Teheran auf, wie Abedsadeh bekannt gab. Ihr Ziel sei die Auswertung der beiden schwer beschädigten Flugschreiber - des Flugdatenschreibers und des Aufzeichners der Geräusche in der Pilotenkanzel. Laut Regierungssprecher Ali Rabiei hatte der Iran auch Boeing eingeladen, an den Untersuchungen teilzunehmen.

Die europäische Flugsicherheitsbehörde EASA hatte nach dem Absturz von Flügen über den Iran abgeraten. Zuvor hatte die EASA bereits empfohlen, Flüge über den Irak zu vermeiden.

Zeichen standen auf Entspannung

Indes standen die Zeichen im Konflikt zwischen den USA und dem Iran nach den gezielten Militärschlägen vorerst auf Entspannung. Die Lage am Persischen Golf war eskaliert, nachdem die USA den iranischen Top-General Qassem Soleimani Ende vergangener Woche in Bagdad gezielt getötet hatten. Nach dem Angriff des Irans auf die von den USA genutzten Militärbasen im Irak hatten US-Präsident Donald Trump und Irans Präsident Hassan Rouhani angekündigt, den Konflikt zunächst auf politischer Ebene führen zu wollen.

Regierungskreisen zufolge hatten die USA parallel zu der gezielten Tötung Soleimanis eine weitere Person im Visier. Eine geheime Aktion sei im Bürgerkriegsland Jemen durchgeführt worden, sagten 2 US-Regierungsvertreter am Freitag der Nachrichtenagentur Reuters. Sie sei allerdings fehlgeschlagen. Die Aktion habe sich gegen den Iraner Abdul Reza Shahlai gerichtet, der Soleimani unterstellt war. Das US-Verteidigungsministerium wollte sich nicht zu den Informationen äußern. Zuerst hatte die „Washington Post“ über den Vorgang berichtet.

apa