Freitag, 09. Oktober 2020

Italien denkt über Verschärfung der Corona-Maßnahmen nach

Sollten die in den vergangenen Wochen steigenden Infektionszahlen weiterhin anwachsen, dann will die italienische Regierung strengere Corona-Maßnahmen ergreifen. So sollen Lokale um 23 Uhr geschlossen werden, wie die Mailänder Tageszeitung „Corriere della Sera“ am Freitag berichtete. Bei Privatfeiern soll die Zahl der Teilnehmer stark reduziert werden.

Über weitere Maßnahmen diskutiert die Conte-Regierung dieser Tage zusammen mit den Präsidenten der 20 italienischen Regionen.
Über weitere Maßnahmen diskutiert die Conte-Regierung dieser Tage zusammen mit den Präsidenten der 20 italienischen Regionen. - Foto: © ANSA / Palazzo Chigi/ Filippo Attili /
Die Anzahl der Personen in öffentlichen Verkehrsmitteln soll verringert werden. Derzeit dürfen 80 Prozent der Plätze in den öffentlichen Verkehrsmitteln besetzt werden. Auch Sportzentren könnten zur Schließung gezwungen werden. Über die Maßnahmen diskutiert die Regierung dieser Tage zusammen mit den Präsidenten der 20 italienischen Regionen. Am Donnerstag wurden 4458 neue Coronavirus-Infektionen und 22 Todesopfer gemeldet.

„Der Dialog mit den Regionen ist unsere Stärke“, sagte Premier Giuseppe Conte, der den Präsidenten der Regionen für ihre Bereitschaft zur „loyalen und konstruktiven Zusammenarbeit“ mit dem Kabinett dankte.

Die italienische Regierung bemüht sich inzwischen um mehr Anti-Covid-Tests. So arbeitet Regierungskommissar Domenico Arcuri an einer Ausschreibung für die Lieferung von fünf Millionen Schnelltests, die auch an Hausärzte verteilt werden sollen. Damit will die Regierung neue Infektionsherde unter Kontrolle bringen.

Vize-Gesundheitsminister Pierpaolo Sileri meinte, Italien erlebe einen Zuwachs bei den Infektionen, der Wachstumstrend sei jedoch unter Kontrolle, das Gesundheitssystem sei in der Lage, damit umzugehen.

Laut Gesundheitsminister Roberto Speranza steige die Zahl der Infektionen seit inzwischen 9 Wochen. Zu erwarten sei, dass dieser Trend in Italien wie im Rest Europas noch weiter wachse. Erst am Mittwoch hatte Italien eine gesamtstaatliche Maskenpflicht im Freien eingeführt.

Demonstration gegen Corona-Politik

Unterdessen ist für den morgigen Samstag ein neuer Protest gegen die Corona-Politik der Regierung Conte geplant. Auf dem Programm der Veranstaltung auf dem zentralen römischen Platz San Giovanni stehen Reden u.a. der Impfpflicht-Gegnerin und Parlamentarierin Sara Cunial sowie Live-Musik.

Die Organisatoren der Veranstaltung kritisieren die Regierung wegen des Beschlusses, den Coronavirus-Notstand bis zum 31. Jänner 2021 zu verlängern. Die Entscheidung dazu war am Mittwoch erfolgt. Damit rüttle die Regierung an den demokratischen Prinzipien, da die Funktion des Parlaments dadurch deutlich beeinträchtigt werde, betonen die Organisatoren.

apa/stol

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