Freitag, 16. Oktober 2020

Italien erwägt weitere Verschärfung der Schutzmaßnahmen

Nachdem sich die Zahl der Coronavirus-Todesopfer an einem Tag in Italien am Donnerstag auf 83 im Tagesvergleich verdoppelt hat, prüft die Regierung in Rom eine weitere Verschärfung der Schutzmaßnahmen.

Die Maßnahmen könnten verschärft werden.
Die Maßnahmen könnten verschärft werden. - Foto: © shutterstock
So könnten alle Lokale gezwungen werden, um 22.00 Uhr zu schließen. Die Maßnahmen könnten bereits in Hinblick auf das Wochenende ergriffen werden, berichteten italienische Medien.

„Ich habe Premier Giuseppe Conte um ein Treffen gebeten, um auf gesamtstaatlicher Ebene neue Maßnahmen zur Eingrenzung der Ansteckungen zu beschließen“, betonte Tourismus- und Kulturminister Dario Franceschini, Spitzenpolitiker der Regierungspartei PD (Partito Democratico) am Freitag.

Regionen mit höherer Reproduktionszahl

Nicht ausgeschlossen wird, dass die Maßnahmen lediglich die Regionen mit einer höheren Reproduktionszahl, darunter Lombardei und Kampanien, betreffen könnten. „Ein wesentlicher Punkt ist die Sicherheit der öffentlichen Verkehrsmittel“, berichtete Walter Ricciardi, Berater des Gesundheitsministeriums in Sachen Pandemie. Der Experte bemängelte, dass das „Contact Tracing“ zur Lokalisierung der Infektionen nicht funktioniere. Die von der Regierung entwickelte Track-App Immuni habe bisher die Erwartungen enttäuscht.

Die Regierung in Rom prüft die Möglichkeit, auf lokaler Basis beschränkte Lockdowns einzuführen.

In Neapel kam es indes am Freitag zu Protesten gegen den Beschluss, angesichts der zunehmenden Zahl von Infektionen die Schulen in der süditalienischen Region Kampanien zu schließen. Eltern von Schülern demonstrierten vor dem Sitz der Region. Die Schulen wurden bis zum 30. Oktober geschlossen. Die Eltern sprachen von einem „dunklem Tag“ für das italienische Bildungswesen.

Premier Conte, der am EU-Regierungschefgipfel in Brüssel teilnahm, erklärte, er wolle regelmäßige Videokonferenzen mit den Kollegen aus anderen EU-Ländern organisieren. „Wichtig ist der regelmäßige Austausch über Tests, Kontrollen, einschränkenden Maßnahmen, Forschung und Impfstoffe“, sagte Conte.

Italien verzeichnete am Donnerstag einen neuen Rekord an Neuinfektionen. Innerhalb von 24 Stunden wurden 8804 Corona-Neuinfektionen registriert.

apa/stol

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