Montag, 09. März 2020

Italien fordert EU-Maßnahmenpaket

Die italienische Regierung ruft die EU dazu auf, ein Maßnahmenpaket zur Bekämpfung der Folgen der Coronavirus-Epidemie aufzulegen. Dies müsse in Abstimmung mit der gesamten internationalen Gemeinschaft geschehen, erklärte das Wirtschaftsministerium in Rom.

Norditalien steht in weiten Teilen still.
Norditalien steht in weiten Teilen still. - Foto: © APA (AFP) / PIERO CRUCIATTI
Ministerpräsident Giuseppe Conte kündigte zugleich eine weitere Steigerung der Staatsausgaben als „massive Schocktherapie“ zur Bewältigung der wirtschaftlichen Auswirkungen der Epidemie an.

Nach der Abriegelung Norditaliens suchten Anleger an der Mailänder Börse indes das Weite. Der Auswahlindex sackte am Montag um bis zu 11,2 Prozent auf ein 14-Monats-Tief von 18.469 Punkten ab. Auch die Anleihen des hoch verschuldeten Landes flogen in großem Stil aus den Depots. Experten gehen davon aus, dass die Viruskrise enorme Folgen für die Wirtschaft Italiens hat.

Auswirkungen für Wirtschaft weltweit noch nicht sichtbar

Weltweit hätten sich die wirtschaftlichen Auswirkungen noch nicht sichtbar in den Kennzahlen niedergeschlagen, so die Ökonomen des Wirtschaftsforschungsinstituts (Wifo). Global stabilisierten sich die Konjunkturindikatoren nach einem schwachen vierten Quartal zum Jahresbeginn sogar etwas.

Die jüngsten Entwicklungen im Zuge der Corona-Epidemie würden jedoch demnächst sichtbar werden. „In den Umfragewerten im März wird man viel sehen“, sagte Wifo-Ökonom Stefan Ederer am Montag zur APA. Wie stark sich die Coronavirus-Auswirkungen in der heimischen Konjunktur niederschlagen werden, sei noch nicht genau abschätzbar.


Die Europäische Zentralbank schickt ihre Belegschaft unterdessen testweise ins Homeoffice. Die meisten Beschäftigten arbeiteten am Montag von zu Hause aus, sagte ein Sprecher. Die Zentralbank bereitet sich damit für den Fall vor, dass ihre rund 3700 Beschäftigten wegen des Coronavirus zu großen Teilen oder gar nicht in ihren Büros arbeiten können.

Aus Sicht des früheren Präsidenten des Bundesverbands der Deutschen Industrie, Hans-Olaf Henkel, zu einer neuen Krise des Euro führen. „Italien wird ein Riesenproblem für die EU werden.“ Die Wirtschaft des Landes wachse nicht mehr und lasse es an Reformen gegen die hohen Staatsschulden fehlen. Nun komme die Coronavirus-Krise hinzu, was zu weiteren Problemen führen werden.

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apa

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