Montag, 25. März 2019

Italien gedenkt der SS-Massaker in Rom vor 75 Jahren

In Rom ist am Montag des SS-Massakers bei den Ardeatinischen Höhlen vor 75 Jahren gedacht worden. Das Massaker geschah als Racheakt für am Tag zuvor von italienischen Partisanen 33 getötete Männer des Polizeiregimentes Bozen. Staatspräsident Sergio Mattarella legte an der Gedenkstätte im Süden Roms einen Kranz nieder. An der Zeremonie nahmen auch Italiens Ministerpräsident Giuseppe Conte, die Spitzen der beiden Parlamentskammern und Roms Bürgermeisterin Virginia Raggi teil, wie Kathpress berichtete.

An der Zeremonie nahm auch Ministerpräsident Giuseppe Conte teil. - Foto: Ansa
An der Zeremonie nahm auch Ministerpräsident Giuseppe Conte teil. - Foto: Ansa

Als Vertreter der deutschen Regierung war deren Botschafter in Italien, Viktor Elbling, bei der Gedenkfeier anwesend. Das Massaker gilt als Symbol der nationalsozialistischen Verbrechen in Italien. In den Tuffsteinhöhlen an der Via Ardeatina erschossen am 24. März 1944 die deutschen Besatzer in Rom als Vergeltung für einen am Tag zuvor verübten Partisanenanschlag in der Via Rasella, bei dem 33 Männer  des  Polizeiregimentes Bozen getötet wurden, 335 Gefangene. Botschafter Elbling nannte die Massenerschießung in einer im Voraus verbreiteten Videobotschaft ein „barbarisches Verbrechen“. Dass man heute gemeinsam der Opfer gedenken könne, sei möglich, weil die Italiener ihre Hand zur Versöhnung gereicht hätten.

Hass und Rache seien einer „tiefen Freundschaft zwischen Deutschland und Italien“ in einem geeinten Europa gewichen, so Elbling weiter. Diese Freundschaft sei ein „großes und kostbares Geschenk“, das es zu bewahren gelte. Dabei erinnerte der Botschafter auch an den deutsch-italienischen Zukunftsfonds, mit dem man eine gemeinsame Erinnerungskultur fördern wolle. Zum Gedenken an den Ardeatinischen Höhlen kamen neben Angehörigen der Getöteten und Mitgliedern von Verbänden ehemaliger Partisanen zahlreiche Jugendliche. Ein katholischer Militärgeistlicher und der römische Oberrabbiner Riccardo Di Segni sprachen Gebete.

In diesem Jahr stehen weitere Gedenkfeiern an deutsche Kriegsverbrechen in Italien an. Am 29. Juni 1944 erschossen deutsche Soldaten 250 Zivilisten im toskanischen Civitella in Val di Chiana und benachbarten Ortschaften. Ebenfalls in der Toskana löschte die SS am 12. August 1944 das Dorf Sant'Anna di Stazzema mit mehreren Hundert Einwohnern aus. Zwischen dem 29. September und dem 1. Oktober 1944 töteten Angehörige der SS und der deutschen Wehrmacht in Marzabotto bei Bologna mehr als 770 Zivilisten. Das Massaker von Marzabotto gilt als eines der schwersten Kriegsverbrechen gegen die Zivilbevölkerung, die von den deutschen Truppen in Westeuropa im Zweiten Weltkrieg begangen wurden. Es wurde vom österreichischen SS-Mann Walter Reder (1915-1991) angeordnet.

apa

stol