Die letzten Hindernisse auf dem Weg zu einer neuen Führung des hoch verschuldeten Landes nach dem Rücktritt von Silvio Berlusconi wurden am Mittwoch ausgeräumt. Die neue Regierung unter Vorsitz des Wirtschaftsexperten wurde noch am Nachmittag um 17 Uhr vereidigt.Monti holt sich „Kabinett der Fachleute“Monti und Napolitano waren um 11 Uhr zu einem Gespräch zusammengekommen. Im Anschluss präsentierte Monti sein zahlenmäßig eher kleines „Kabinett der Fachleute“ aus Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung.Monti stellte zwölf Minister vor, er selbst wird interimsweise auch das Amt des Ministers für Wirtschaft und Finanzen übernehmen. Sein am Samstag zurückgetretener Vorgänger Berlusconi war 2008 mit 21 Ministern angetreten.Politiker sind entgegen früheren Überlegungen im Kabinett nicht vertreten. „Während der Konsultationen bin ich zu dem Schluss gekommen, dass die Abwesenheit von Politikern der Regierung die Arbeit erleichtert, da sie einen Grund für Befangenheit beseitigt“, erklärte Monti.Monti hatte zunächst einer Regierungsbildung nur „unter Vorbehalt“ zugestimmt. Der 68-Jährige wollte erst mit Parteien und Sozialpartnern sondieren, wie breit der Rückhalt für eine Notregierung ist.Hier die Liste der MinisterMinisterpräsident: Mario MontiWirtschaftsminister: Mario MontiAußenminister: Giulio Terzi di SantagataInnenministerin: Anna Maria CancellieriJustizministerin: Paola SeverinoVerteidigungsminister: Giampaolo Di PaolaIndustrieminister: Corrado PasseraLandwirtschaftsminister: Mario CataniaUmweltministerin: Corrado CliniArbeitsministerin: Elsa ForneroGesundheitsminister: Renato BalduzziBildungsminister: Francesco ProfumoKulturminister: Lorenzo OrnaghiEuropaminister: Enzo Moavero MilanesiTourismus- und Sportminister: Piero GnudiRegionenminister: Fabrizio BarcaMinister für die Beziehungen zum Parlament: Piero GiardaMinister für die internationale Kooperation und Integration: Andrea RiccardiStaatssekretär: Antonio Catricala'Neuer Außenminister wird der derzeitige Botschafter Italiens in Washington, Giulio Terzi di Sant'Agata. Das Verteidigungsministerium geht an den Nato-Admiral Giampaolo de Paola.Justiz-, Arbeits- und Innenministerium sind weiblich besetzt mit der bekannten Strafanwältin Paola Severino als neuer Justizministerin, der ausgewiesenen Verwaltungsfachfrau Anna Maria Cancellieri als Innenministerin und der Wirtschaftswissenschaftlerin Elsa Fornero als neuer Arbeitsministerin.Bis Freitag Bestätigung durch ParlamentDie Regierung Monti muss danach noch vom Parlament bestätigt werden. Es gilt als sicher, dass die 63. italienische Nachkriegsregierung spätestens am Freitag eine breite Zustimmung des Parlaments in Rom erhalten wird.Sein Regierungsprogramm wolle er am Donnerstag im Senat vorstellen, erklärte Monti.Den Ex-EU-Mann erwartet die schwere Aufgabe, das Land aus der tiefen Schulden- und Wachstumskrise der Berlusconi-Ära zu führen.Am Dienstag hatten die beiden größten Parteien des Landes – die PdL-Partei Berlusconis und der des Pierluigi Bersani – ihre Unterstützung für ein Monti-Kabinett zugesagt. Auch die Sozialpartner befürworten eine Regierung unter dem angesehenen und parteilosen Wirtschaftsfachmann.dpa/stol