Montag, 05. Dezember 2016

Italien überstimmt Südtiroler Ja

Gegen Mitternacht stand fest: Matteo Renzi muss gehen. Italien hatte dem Premier die kalte Schulter gezeigt und die Verfassungsreform versenkt. Ganz Italien? Nein.

Dieses Duo ist Geschichte: Arno Kompatscher bleibt, Matteo Renzi geht.
Dieses Duo ist Geschichte: Arno Kompatscher bleibt, Matteo Renzi geht.

Eine kleine Provinz im Norden des Staates hat nämlich klar gegen den nationalen Trend gestimmt: Südtirol. Während Matteo Renzi auf nahezu dem ganzen restlichen Staatsgebiet Niederlagen einheimste – mit Ausnahme seiner Heimatregion Toskana (52,51 Prozent der Wähler sagten Ja) und der benachbarten Emilia-Romagna (50,39 Prozent sagten Ja) –, stand Südtirol zum Ministerpräsidenten.

Bei einer Wahlbeteiligung von 67,41 Prozent (260.273 Personen stimmten ab) sagten 63,69 Prozent Ja zur Reform von Matteo Renzi und seiner Reformenministerin Elena Maria Boschi – der höchste Wert in ganz Italien. Noch mehr Zuspruch als in Südtirol erhielt der Premier, der bald keiner mehr sein wird (hier gelangen Sie zum Artikel: Rücktritt mit Knoten im Hals), nur von den Auslandsitalienern: 64,7 Prozent stimmten für die Verfassungsreform. 

Während im Trentino die Ablehnung der Reform mit 54,30 Prozent überwog, machten in Südtirol nur 36,31 Prozent der Wähler ihr Kreuz beim Nein. Gegenwind gab es für Renzis Reform vor allem aus Gebieten, in denen die italienischsprachige Bevölkerung stark vertreten ist. In Bozen überwog das Nein hauchdünn (50,09 Prozent), in Branzoll sagten 54,52 Prozent Nein, in Corvara 54,09 Prozent, in Leifers 57,46 Prozent und in Pfatten 57,17 Prozent. Das war’s dann aber auch mit den Südtiroler Nein-Gemeinden.

Ihnen gegenüber stehen 110 Gemeinden, die sich für die Verfassungsreform aussprachen. Am lautesten taten dies Schnals (84,93 Prozent), Vöran (84,58 Prozent), Martell (81,10 Prozent), Sarntal (81,07 Prozent), Villnöss (80,94 Prozent), Tiers (80,20 Prozent) und Proveis (80,13 Prozent).

In Arno Kompatschers Heimatgemeinde Völs stimmten 75,92 Prozent für die Reform, in Philipp Achammers Gemeinde Vintl waren es 69,29 Prozent. Landeshauptmann und SVP-Obmann hatten im Vorfeld stark für die Reform geworben. Ex-Senator Oskar Peterlini, wohl einer der heftigsten Kritiker der Reform, wohnt in Branzoll – dort siegte, wie bekannt, das Nein (hier gelangen Sie zum Artikel: Deutliches Ja: So stimmte Südtirol mit Ergebnisübersicht für alle Gemeinden).

Das Nein überwog dann auch staatsweit: Die Reform scheiterte, Premier Matteo Renzi geht. Südtirols Oppositionspolitiker stimmt dies nachdenklich: Sie hatten offen für ein Nein geworben, trafen bei den Südtiroler Wählern dabei allerdings offenbar nicht auf offene Ohren (hier gelangen Sie zum Artikel: Italien sagt Nein: Reaktionen aus Südtirol).

stol

stol