Donnerstag, 17. Juni 2021

Italien will Mitte Juli Maskenpflicht im Freien aufheben

Wegen deutlich gesunkener Infektionszahlen will Italien ab Mitte Juli die Maskenpflicht im Freien aufheben. Die Regierungskoalition diskutiert unterdessen heftig über die Verlängerung des Ausnahmezustandes bis Ende des Jahres.

Mitte Juli soll in Italien die Maskenpflicht im Freien fallen.
Mitte Juli soll in Italien die Maskenpflicht im Freien fallen. - Foto: © Shutterstock / shutterstock
Dann muss der Mund-Nasen-Schutz im Freien nur noch bei Versammlungen, an besonders überfüllten Orten oder in Sportstadien getragen werden. In Innenräumen oder öffentlichen Verkehrsmitteln soll dagegen weiter die Maskenpflicht gelten. Angesichts sinkender Infektionszahlen könne man sich diese Lockerung erlauben, sagte Gesundheitsstaatssekretär Pier Paolo Sileri.

„Es wird wie Lesebrillen sein, die man immer in der Tasche trägt. Wir müssen den Mundschutz immer dabei haben, sollte es zu Menschenansammlungen kommen“, sagte Sileri nach Medienangaben. Sommerliche Temperaturen und die voranschreitende Impfkampagne sorgen für niedrige Infektionszahlen. Inzwischen haben 30 Millionen Italiener – also etwa die Hälfte der italienischen Bevölkerung – die erste Dosis Impfstoff erhalten.

Wie berichtet, fällt in Südtirol bereits am kommenden Montag die allgemeine Maskenpflicht im Freien.

Ab kommendem Montag wird ganz Italien zur „weißen Zone“ mit niedrigen Corona-Restriktionen. Dann fällt Italien-weit die nächtliche Ausgangssperre von 00.00 bis 5.00 Uhr.

Koalition streitet über Verlängerung des Ausnahmezustandes

Pläne des Premiers Mario Draghi zur Verlängerung des Ausnahmezustands vom 31. Juli bis Ende dieses Jahres spalten indes die Koalition in Rom. Während Sozialdemokraten und Fünf-Sterne-Bewegung das Vorhaben der Regierung unterstützen, stemmen sich die Rechtsparteien vehement dagegen.

„Wir haben eine Durchimpfungsrate von 95 Prozent bei den über 80-Jährigen, die Gebrechlichen sind alle geschützt, es gibt keinen Grund, den Ausnahmezustand zu verlängern. Ich denke, es wäre eine gute Botschaft an das Land, zu verlauten, dass das Schlimmste vorbei ist“, sagte Lega-Chef Matteo Salvini.

Dieser Ansicht teilt auch die Chefin der oppositionellen Rechtskraft „Fratelli d Italia“, Giorgia Meloni. „Eineinhalb Jahre nach dem Ausbruch der Pandemie ist es nicht mehr annehmbar, dass die grundlegendsten Regeln der Demokratie und die Prinzipien der Rechtsstaatlichkeit wie der freie Personenverkehr von der Regierung im Namen des Notstands mit Füßen getreten werden. Das Jahr 2021 muss das Jahr der Rückkehr zur Normalität sein: Unser System ist in der Lage, die Pandemie mit den gewöhnlichen Befugnissen und Werkzeugen, die es bereits hat, zu bewältigen, wobei die Verfassung und die Vorrechte des Parlaments respektiert werden“, so Meloni.

Anders sehen die Lage die Sozialdemokraten (PD): „Der Ausnahmezustand wird so lange verlängert, bis Covid-19 endgültig besiegt ist. Wir sind noch nicht so weit“, meinte der Ex-Regionenminister und sozialdemokratische Parlamentarier Francesco Boccia.

apa/stol

Alle Meldungen zu: