Donnerstag, 01. August 2019

Italienische Polizei geht an Bord von „Alan Kurdi“

Die italienische Polizei ist am Donnerstag an Bord des Rettungsschiffes „Alan Kurdi“ der deutschen Hilfsorganisation Sea-Eye gegangen, das sich in internationalen Gewässern, 20 Seemeilen von Lampedusa entfernt befindet. Die Polizei übergab dem Schiffskapitän eine Verordnung der italienischen Regierung mit dem Verbot, in italienische Gewässer einzufahren und einen Hafen in Italien zu erreichen.

Die Crew der „Alan Kurdi“ hatte am Mittwoch 40 Menschen aus einem Schlauchboot gerettet.
Die Crew der „Alan Kurdi“ hatte am Mittwoch 40 Menschen aus einem Schlauchboot gerettet. - Foto: © APA/AFP

Sollte der Schiffskapitän dem Verbot trotzen, droht der NGO eine Geldstrafe und die Konfiszierung des Schiffes. An Bord der „Alan Kurdi“ befinden sich laut der NGO 40 Menschen, darunter zwei Überlebende des Angriffs auf das Lager im libyschen Tajoura, bei dem über 50 Personen starben sowie drei Kinder. Eines davon habe eine Schusswunde auf einer Schulter. Auch eine schwangere Frau sei an Bord, berichtete die Hilfsorganisation.

Innenminister Matteo Salvini attackierte indes die deutsche Regierung. Diese habe sich zur Aufnahme von 30 der 115 am Mittwoch auf Sizilien gelandeten Migranten des Schiffes der italienischen Küstenwache „Gregoretti“ bereit erklärt. „Dafür sollen wir die 40 Migranten der 'Alan Kurdi' aufnehmen. Das ist eine Erpressung Deutschlands“, kritisierte Salvini in einem TV-Interview am Donnerstag.

Zuvor forderte Sea-Eye eine „schnelle politische Lösung“ im Interesse der 40 Menschen, die sich an Bord der „Alan Kurdi“ befinden. „Die Geretteten brauchen jetzt einen sicheren Hafen“, schrieb die Hilfsorganisation.
Sie schloss aus, dass sie die Migranten nach Libyen zurückbringen werde, wie es Italien verlangt. „Wir halten uns an geltendes internationales Recht und werden niemanden in ein Bürgerkriegsland zurückbringen. Libyen ist nicht sicher! Der Kreislauf aus Flucht, Zurückweisung und Gewalt muss beendet werden“, so die Hilfsorganisation.

Die Crew der „Alan Kurdi“ hatte am Mittwoch 40 Menschen aus einem Schlauchboot gerettet. Ende Juni war die deutsche Kapitänin Carola Rackete mit der „Sea-Watch 3“ unerlaubt nach Lampedusa gefahren. Gegen sie wurde nach Angaben von Sea-Watch eine Geldstrafe in Höhe von mehr als 16.600 Euro verhängt. Nach Angaben ihres Anwalts wurde dagegen Beschwerde eingelegt.

apa

stol