Mittwoch, 10. März 2021

Italiens Sozialdemokraten suchen Chef: Ex-Premier Letta ist Favorit

Die italienischen Sozialdemokraten suchen nach dem überraschenden Rücktritt von Parteichef Nicola Zingaretti am vergangenen Donnerstag einen neuen Parteichef. In der Partei steigt die Spannung vor dem Treffen des Parteigremiums am kommenden Wochenende, bei dem sich der Partito Demcratico (PD) auf den einen Nachfolger einigen muss. Ex-Premier Enrico Letta gilt als Favorit im Rennen um den PD-Chefposten.

Ob Enrico Letta bereit ist, nun das Ruder der Gruppierung zu übernehmen, hat er bisher offen gelassen.
Ob Enrico Letta bereit ist, nun das Ruder der Gruppierung zu übernehmen, hat er bisher offen gelassen. - Foto: © ANSA / MATTEO BAZZI / Z57
Der 56-jährige Letta hatte zwischen November 2009 und April 2013 den Posten des stellvertretenden PD-Chefs bekleidet. Nachdem seine Regierung 2014 von seinem Parteikollegen Matteo Renzi gestürzt worden war, hatte sich Letta aus der Politik zurückgezogen und war nach Paris gezogen, wo er an der renommierten Universität Sorbonne unterrichtete. Er blieb aber seiner Partei PD weiterhin treu.

Ob Letta bereit ist, nun das Ruder der Gruppierung zu übernehmen, hat er bisher offen gelassen. „Ich danke für die Botschaften, mit denen man mich ermutigt, den PD-Vorsitz zu übernehmen. Die Partei ist in meinem Herzen, ich muss noch abwägen und werde dann einen Beschluss fassen“, twitterte Letta am Mittwoch.

Der Flügel um den zurückgetretenen Zingaretti unterstützt Ex-Wirtschaftsminister Roberto Gualtieri als neuen Parteichef. Gualtieri könnte jedoch Spekulationen zufolge eine Kandidatur ablehnen, um im kommenden Oktober für das Bürgermeisteramt in Rom zu kandidieren.
Auch mehrere Frauen sind als mögliche Kandidatinnen für die Parteispitze im Gespräch. Ex-Verteidigungsministerin Roberta Pinotti und die ehemalige Präsidentin der Region Friaul-Julisch Venetien, Debora Serracchiani, gelten als mögliche Kandidatinnen für die Parteiführung. PD-Spitzenpolitikerinnen hatten Zingaretti zuletzt vorgeworfen, zu wenig Frauen in die Regierung gebracht zu haben. Die Sozialdemokraten stellen drei der insgesamt 23 Minister in der neuen Regierung von Mario Draghi, darunter ist keine Frau. Insgesamt sind 8 Frauen im Kabinett.

Der neue Vorsitzende muss die Partei bis zum Parteikongress Anfang 2022 führen und die passenden Kandidaten für die Bürgermeisterwahlen im Herbst finden, zu denen 1.293 Gemeinden aufgerufen sind. Die Aufgabe ist heikel: Der PD muss Wahllisten für die Kommunalwahlen in den größten italienischen Städten, darunter Rom, Mailand, Turin, Bologna und Neapel, erstellen.

apa/stol

Schlagwörter: