Dienstag, 19. Juni 2018

Jagdverband solidarisch mit Durnwalder und Erhard

Am Montag wurden Altlandeshauptmann Luis Durnwalder und Ex-Amtsdirektor Heinrich Erhard zu insgesamt 1,14 Millionen Euro Schadenersatz verurteilt, weil sie zwischen 2010 und 2014 Murmeltier, Dachs und andere Tiere per Dekret zum Abschuss freigegeben hatten. Völlig überrascht vom Urteil des römischen Rechnungshofes bekundet auch der Südtiroler Jagdverband Durnwalder und Erhard seine Solidarität.

Der Südtiroler Jagdverband zeigt sich solidarisch mit Luis Durnwalder und Heinrich Erhard.
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Der Südtiroler Jagdverband zeigt sich solidarisch mit Luis Durnwalder und Heinrich Erhard. - Foto: © APA/DPA

In einer Stellungnahme erklärt der Südtiroler Jagdverband, dass der Abschuss von Murmeltieren und anderen Arten, die Schäden verursachen, den Beständen keinen Schaden zugefügt hätten. Die Murmeltiere seien in Südtirol so zahlreich wie in keiner anderen italienischen Provinz. Das hänge mit der Almwirtschaft zusammen, denn die Murmeltiere lieben das alpine Grasland, das es in unserem Land – vom Menschen geschaffen und gepflegt – gebe, wie in kaum einer anderen Alpenregion.

Entnahmen auf Grundlage der Bestimmungen getätigt 

Die Entnahmen wurden auf der Grundlage der geltenden Bestimmungen genehmigt, wobei auch direkt Bezug auf die einschlägigen EU-Richtlinien genommen wurde. Die EU sieht ausdrücklich die Möglichkeit des Abschusses in Problemfällen vor. Geschützt werden von den EU-Bestimmungen nämlich nicht einzelne Exemplare, die Schaden anrichten, sondern die Populationen als solche. Dass an den Wildtierpopulationen selbst kein Schaden entstanden ist, belegen die Zahlen: Trotz der durchgeführten Entnahmen ist die Anzahl an Murmeltieren, Steinböcken und Kormoranen weiterhin angewachsen.

Konflikten vorbeugen 

Mit den verfügten Murmeltierabschüssen, die nur in tiefer gelegenen Bergzonen, also im Almbereich, möglich gemacht worden waren, sollte Konflikten mit der Berglandwirtschaft vorgebeugt werden. Denn die Nager hatten sich sukzessive in tiefere Lagen ausgebreitet und waren auch schon an Gehöften zu sehen gewesen, so der Jagdverband. 

Die Zählungen der Murmeltiere wurden und werden gewissenhaft und genau durchgeführt und bestätigen eine immer noch im Gang befindliche Zunahme der Art.

Großes Vermehrungspotential

Die Murmeltiere, die schon zu Zeiten der Antike von den Römern als „Bergmäuse“ bezeichnet wurden, als „Murmontis“, wofür der Dialektname „Murment“ heute noch zeugt, verfügen, wie alle Nagetiere, über ein großes Vermehrungspotential. „Mit den lokal beschränkten Abschüssen sollte vor allem der Ausbreitungstendenz in bewirtschaftete Almen Einhalt geboten werden. Südtirol hat zudem mit Einfang- und Aussetzungsaktionen in andere Gebiete und Provinzen dazu beigetragen, dass Murmeltiere neue Kolonien in geeigneten Gebieten gründen konnten“, so der Jagdverband.

„Der Umgang mit dem Alpenmurmeltier in unserem Land ist alles andere als Schaden stiftend zu Lasten des Staates gewesen. Dies wird sich in weiterer Folge sicher bestätigen“, so der Verband weiter.

Sollte das Urteil aber vollstreckbar werden, so erwägt Landesjägermeister Berthold Marx die Einrichtung eines Spendenkontos.

stol

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