Mittwoch, 01. Mai 2019

Japan hat neuen Kaiser: Naruhito besteigt Chrysanthementhron

Japans neuer Kaiser Naruhito hat den Chrysanthemen-Thron bestiegen und damit eine neue Ära für sein Land eingeläutet. Der 59-Jährige trat am Mittwoch die Nachfolge seines Vaters Akihito an, der nach 30-jähriger Regentschaft um Mitternacht formal abdankte. Bei einer feierlichen Einführungszeremonie erhielt Naruhito die kaiserlichen Insignien.

Der 59-Jährige trat am Mittwoch die Nachfolge seines Vaters Akihito an. - Foto: Japan Pool
Der 59-Jährige trat am Mittwoch die Nachfolge seines Vaters Akihito an. - Foto: Japan Pool

Beamte des Haushofamtes überreichten dem Monarchen 2 der Throninsignien: ein Schwert sowie ein Juwel, das das Kaiserhaus der Legende nach von der Sonnengöttin Amaterasu Omikami erhalten hat. Den Mythen nach sind die japanischen Kaiser unmittelbare Nachfahren von Amaterasu.

Die Beamten legten die Gegenstände auf 2 niedrige Holztische vor dem Kaiser. Auch das Amtssiegel und das persönliche Siegel wurden vor ihm niedergelegt. Parallel dazu teilte ein Hauptritualist im Namen des Kaisers dem Spiegel - der dritten Insignie als Vertretung der Gottheit - mit, dass der Kaiser die Insignien entgegennimmt.

Niemand, selbst der Kaiser nicht, darf dabei einen Blick auf die Kleinodien werfen, die sich in Schutzhüllen befinden. Ihr Inhalt gilt dazu als zu heilig. Die schlichte Zeremonie dauerte lediglich 10 Minuten. 

Der emeritierte Kaiser Akihito - so die nunmehrige Bezeichnung für den Ex-Tenno - war der erste Kaiser der ältesten Erbmonarchie der Welt seit rund 200 Jahren, der zu Lebzeiten den Thron für seinen Nachfolger freimachte. Nun ist sein ältester Sohn das neue „Symbol des Staates und der Einheit der Nation”. Auf diese Rolle ist ein japanischer Monarch laut der pazifistischen Nachkriegsverfassung beschränkt. Zu politischen Fragen darf sich der Kaiser nicht äußern.

Kaiser an der Seite des Volkes 

In seiner ersten Rede an die Nation hat der neue Kaiser gelobt, immer an der Seite des Volkes zu stehen. Er wolle „der Verfassung entsprechend handeln“ und „in Gedanken immer beim Volk sein und an seiner Seite stehen“, sagte Naruhito am Mittwoch nach der Übernahme des Chrysanthemen-Throns.

Naruhito sagte weiter, er wolle sich intensiv mit dem von seinem Vater verfolgten Kurs auseinandersetzen. Dieser war beim Volk äußerst beliebt und galt als Kaiser, der die älteste Monarchie der Welt den Menschen näher gebracht hatte, insbesondere nach Naturkatastrophen.

Naruhito versprach, er wolle „den von früheren Kaisern verfolgten Weg berücksichtigen“, sich aber zugleich der „Selbstverbesserung“ widmen. Es wird erwartet, dass Naruhito dem modernen Stil seines Vaters folgt. Es gilt aber als Balanceakt, zugleich die Traditionen des Throns zu wahren.

Der japanische Regierungschef Shinzo Abe erwiderte im Namen des Volkes: „Wir sind entschlossen, eine strahlende Zukunft für ein stolzes Japan voller Frieden und Hoffnung zu schaffen in einer Zeit, in der sich die internationale Situation dramatisch verändert.“

apa/dpa

stol