Freitag, 11. Dezember 2020

Johnson hält No-Deal-Brexit für „sehr, sehr wahrscheinlich“

2 Tage vor dem Ende der Brexit-Verhandlungen hat der britische Premierminister Boris Johnson einen Austritt Großbritannien aus der EU ohne Handelsabkommen erneut als „sehr, sehr wahrscheinlich“ bezeichnet. Er habe vonseiten der EU kein „großes Angebot, keine große Veränderung“ im Konflikt um faire Wettbewerbsbedingungen und um Fischfangrechte gesehen, sagte Johnson am Freitag.

Ohne Einigung würden im beiderseitigen Handel zum Jahreswechsel Zölle erhoben mit gravierenden Folgen für die Wirtschaft.
Ohne Einigung würden im beiderseitigen Handel zum Jahreswechsel Zölle erhoben mit gravierenden Folgen für die Wirtschaft. - Foto: © APA/afp / KENZO TRIBOUILLARD
„Es ist sehr, sehr wahrscheinlich, dass wir eine Lösung wählen müssen, von der ich denke, dass sie großartig für Großbritannien wäre, und wir ab dem 1. Jänner genau das tun könnten, was wir wollen“, sagte Johnson bei einem Besuch in Blyth im Norden Englands. Er betonte jedoch, dass Großbritannien die Verhandlungen nicht vorzeitig beenden werde. „Wir werden weiter verhandeln“, sagte er.

Bereits am Donnerstagabend hatte Johnson die Erwartungen an ein Handelsabkommen gedämpft und erklärt, es bestehe eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass es nicht zu einer Vereinbarung für die Zeit nach dem EU-Austritt seines Landes komme. Auch in der EU schwinden zusehends die Hoffnungen auf ein Handelsabkommen mit Großbritannien. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen habe „niedrige Erwartungen“, dass ein Übereinkommen noch rechtzeitig abgeschlossen werde, hieß es am Freitag beim EU-Gipfel in Brüssel.

Verhandlungen noch bis Sonntag

Großbritannien war zum 1. Februar aus der EU ausgetreten, bis zum Jahresende bleibt das Land aber noch im EU-Binnenmarkt und in der Zollunion. In dieser Übergangsphase ist es bisher nicht gelungen, ein Handelsabkommen für die Zeit nach dem Brexit auszuhandeln. Ohne Einigung würden im beiderseitigen Handel zum Jahreswechsel Zölle erhoben mit gravierenden Folgen für die Wirtschaft.

Die Verhandlungen über ein Post-Brexit-Abkommen sollen noch bis Sonntag andauern. Hauptstreitpunkte in den Gesprächen sind nach wie vor faire Wettbewerbsbedingungen, die Kontrolle eines künftigen Abkommens und die Fangrechte für EU-Fischer in britischen Gewässern.
Angesichts der schwindender Hoffnungen auf ein Abkommen sank der Kurs des britischen Pfunds am Freitag stark. Die Währung verlor bis zum frühen Nachmittag mehr als ein Prozent gegenüber dem US-Dollar. Der Kurs von 1,3150 Dollar für ein Pfund war der niedrigste seit dem 13. November.

Im Tausch mit dem Euro gab der Kurs ebenfalls stark um knapp ein Prozent nach. Ein britisches Pfund war 92,20 Eurocent wert, das war der niedrigste Stand seit September.

apa/afp