Canale 5, der meistgesehene Privatsender des Landes, hatte im Vormittagsprogramm einen Bericht über den Privatmann Raimondo Mesiano, der mit einer versteckten Kamera aufgenommen wurde, gezeigt.Mesiano ist der Richter, der den Fininvest-Konzern von Ministerpräsident Silvio Berlusconi zur Zahlung von 750 Millionen Euro an seinen Rivalen CIR verurteilt hat. Das Urteil des Mailänder Zivilrichters Raimondo Mesiano war Anfang Oktober in erster Instanz ergangen. Fininvest-Präsidentin Marina Berlusconi kündigte gegen das Urteil Berufung an.Im Bericht von "mattino cinque" war Mesiano zu sehen, während er durch die Straßen von Mailand spaziert, zum Friseur geht und sich schließlich auf eine Bank setzt. Sein Verhalten wird im Bericht als „sonderbar“ bezeichnet, doch daran habe man sich gewöhnt, so die Journalistin Annalisa Spinoso, die für den Bericht verantwortlich zeichnet. Was „sonderbar“ am Verhalten des Mannes sein soll, wird nicht erklärt und geht aus den Aufnahmen auch nicht hervor.Auch die türkisen Socken des Richters waren der Journalistin eine Erwähnung wert: „Solche Strümpfe sollte man im Gerichtssaal nicht tragen“, heißt es abschließend.Der Bericht, mit dem der Richter öffentlich eingeschüchtert und lächerlich gemacht werden sollte, hatte in Italien einen Sturm der Entrüstung ausgelöst.Jetzt folgte die Entschuldigung: „Der Bericht über Raimondo Mesiano war kein Meisterwerk. Dafür übernehme ich die volle Verantwortung. Ich entschuldige mich bei Mesiano und versichere, dass diese Bilder nie wieder gezeigt werden. Ich habe keine Angst, mich zu entschuldigen“, so Claudio Brachino am Montag in einem Artikel im „Giornale“, einer Zeitung, die Berlusconi gehört. Brachino läd den Richter zudem ins Studio ein, um ihm „einige Fragen zu stellen.“rb