Montag, 18. April 2016

Julius Perathoner: weitsichtiger Pionier und umsichtiger Politiker

Am Sonntag, 17. April, hat sich zum 90. Mal der Todestag des bislang letzten deutschsprachigen Bürgermeisters von Bozen, Julius Perathoner, gejährt. Ihm verdankt die Stadt viele ihrer kulturellen und städteplanerischen Perlen.

Der langjährige Bozner Bürgermeister Julius Perathoner starb am 17. April 1926, also vor 90 Jahren.
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Der langjährige Bozner Bürgermeister Julius Perathoner starb am 17. April 1926, also vor 90 Jahren. - Foto: © D

Mit Weitsicht leitete Julius Perathoner Bozen in die Moderne und machte aus dem Städtchen ein Zentrum des frühen Tourismus.

Von 1895 bis 1922 stand Perathoner, der während dieser Zeit auch Reichsratsabgeordneter in Wien war, der Gemeinde vor. Über die Grenzen der Talferstadt hinaus prägte er Tirol mit: Im Innsbrucker Landtag war Perathoner von 1902 bis 1905 Abgeordneter.

Die Zeit der Blüte beendeten die Faschisten 1922 schließlich gewaltsam: Bei ihrem Marsch auf Bozen zwangen sie Perathoner aus dem Bürgermeisteramt. Kaum 3 Wochen später ergriff Mussolini im „Marsch auf Rom“ endgültig die Macht in Italien.

Perathoners Leistungen für die Stadt Bozen sind dennoch unvergessen geblieben: Das Stadtmuseum, das Theater, die Straßenbahn nach Gries und Leifers, die Kaiserjägerkaserne, die Talferbrücke, die Wassermauerpromenaden zu beiden Seiten der Talfer, die Kaiserin-Elisabeth-Schule (heute Danteschule) und die Kaiser-Franz-Josef-Schule (heute Goetheschule), die Etschwerke und das neue Rathaus wurden unter seiner Schirmherrschaft erbaut. Auch die Eingemeindung von Zwölfmalgreien fand statt.

Perathoner war 1878 Mitbegründer und später langjähriger Obmann des Männergesangvereins Bozen sowie des Deutschen Schulvereins Bozen. Auch im Bozner Turnverein engagierte er sich.

Erst 26 Jahre nach Perathoners Absetzung wurden Bürgermeister und Gemeinderat wieder demokratisch gewählt. Einen deutschsprachigen Bürgermeister hat es seither in Bozen nicht mehr gegeben.

stol

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