Freitag, 18. November 2016

Juncker in Südtirol: „Regionen sind der Motor Europas“

„Wer permanente Grenzkontrollen fordert, sollte ehrlich sagen, dass er nicht nur mit Europas Wohlstand, sondern auch mit der Freiheit der Menschen spielt“, meint EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker im „Dolomiten“-Interview. Europas Reichtum und Motor seien seine Regionen.

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker ist am heutigen Freitag zu Gast in Südtirol.
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EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker ist am heutigen Freitag zu Gast in Südtirol. - Foto: © APA/AFP

Am heutigen Freitag referiert Juncker in Bozen bei der Tagung „70 Jahre Pariser Vertrag“ über „Das Prinzip der Subsidiarität und die Perspektiven der Regionen in der EU von heute“.

„Dolomiten“: Herr Präsident, was halten Sie von verschärften Grenzkontrollen am Brenner?

Präsident Jean-Claude Juncker: Stellen Sie sich nur einmal vor, was Grenzkontrollen für diese Region bedeuten würden. Viele würden zu spät zur Arbeit kommen, weil sie morgens an der Grenze warten, Lastwagen mit verderblichen Waren oder dringlichen Ersatzteilen würden unkalkulierbar lange feststecken, Handel und Tourismus wären behindert. Statt auf dauerhafte Grenzkontrollen zu setzen, ist es viel sinnvoller, unsere gemeinsamen Außengrenzen wirksam zu schützen. Genau das tut unsere neue europäische Grenz- und Küstenwache. Damit schützen wir auch den Binnenmarkt. Dieser muss uns teuer sein, alleine schon, weil dauerhafte Grenzkontrollen im Schengenraum rund 18 Milliarden Euro jährlich kosten würden. Wer permanente Grenzkontrollen fordert, sollte ehrlich sagen, dass er nicht nur mit Europas Wohlstand, sondern auch mit der Freiheit der Menschen spielt. 

„D“: Sie referieren in Bozen über die Perspektiven der Regionen in der EU von heute. Welche Perspektiven haben die Regionen und im Speziellen Südtirol?

Juncker: Europas Reichtum ist seine Vielfalt, seine Regionen. Dessen eingedenk bin ich als Fan des so genannten Subsidiaritätsprinzips dafür, dass Herausforderungen am besten auf der Ebene gelöst werden, die den Menschen am nächsten ist. Für mich sind die Regionen deshalb ein wichtiger wirtschaftlicher und kultureller Motor Europas, weshalb wir die grenzüberschreitende, regionale Zusammenarbeit besonders unterstützen. So haben wir beispielsweise vor einem Jahr ein neues Interreg-Programm angenommen, das die Zusammenarbeit zwischen Italien und Österreich fördert. Dieses stellt 98 Millionen Euro bereit, insbesondere für die grenzüberschreitende Kooperation zwischen Forschungs- und Innovationseinrichtungen in der Region und den Schutz des gemeinsamen Natur- und Kulturerbes. Auf europäischer Ebene geht es uns also darum, einen Rahmen zu schaffen, so dass sich die Regionen entfalten können. 

D/hof

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Das ausführliche Interview mit Jean-Claude Juncker lesen Sie in der Freitagsausgabe des Tagblatts "Dolomiten".

stol