Berlusconi werden in diesem Zusammenhang Amtsmissbrauch und sexuelle Beziehungen zu einem marokkanischen Callgirl vorgeworfen. Der 74 Jahre alte Berlusconi wird des Amtsmissbrauchs beschuldigt, weil er in der Nacht des 27. Mai persönlich mit einem hochrangigen Funktionär bei der Mailänder Polizei angerufen hatte, um eine damals 17-jährige Prostituierte aus dem Polizeigewahrsam freizubekommen. Erschwert wird die Lage des Regierungschefs wegen des Verdachts, mit der minderjährigen Prostituierten auch Geschlechtsverkehr gehabt zu haben, was in Italien bis zu drei Jahre Haft nach sich ziehen kann.Staatsanwaltschaft: „Klare Beweise gegen Berlusconi“Die Mailänder Staatsanwaltschaft, betonte in einem Schreiben, dass klare Beweise Premier Berlusconi belasteten. „Die Beweise sind eindeutig“, hieß es in Justizkreisen. Die zuständige Untersuchungsrichterin Cristina Di Censo hat nun mindestens fünf Tage Zeit, um über den Prozessantrag zu entscheiden. Sie muss sowohl darüber befinden, ob der Prozess in einem Schnellverfahren ablaufen soll, als auch darüber, ob die beantragende Staatsanwaltschaft in der Sache zuständig ist, was die Rechtsanwälte des Premiers bestreiten. Bei Annahme könnte dem Regierungschef innerhalb weniger Monate der Prozess gemacht werden. Die Staatsanwaltschaft kann ein Schnellverfahren beantragen, wenn sie glaubt, ausreichend Beweismaterial zu besitzen. Das sonst übliche Vorverfahren entfällt dann. Berlusconi: „Werde Staat für diese Farce verklagen“Berlusconi reagierte am Mittwoch empört auf die Forderung der Mailänder Staatsanwaltschaft. Die Untersuchung sei „eklig“ und verfolge klare „umstürzlerische Ziele“. „Mit dieser Untersuchung wollen mich die Staatsanwälte nur verleumden. Ich werde für diese Farce den Staat verklagen. Ich frage mich, wer für diese Schande zahlen wird, am Schluss wird der Staat zahlen“, meinte Berlusconi auf einer Pressekonferenz in Rom, bei der er seinen neuen Plan zur Wirtschaftsförderung vorstellte.Der Premier kündigte ein neues Gesetz an, mit dem Staatsanwälte und Richter zu Verantwortung gezogen werden sollen, wenn sie Fehler begehen. „Heute gibt es keine Strafen für Staatsanwälte und Richter, die Fehler begehen, dass wird sich nun ändern“, kündigte Berlusconi an. Er wies den Vorwurf des Amtsmissbrauchs zurück. Er habe sich bei der Mailänder Polizei für die Freilassung der marokkanischen Teenagerin Ruby eingesetzt, weil er fest überzeugt war, dass sie eine Enkelin des ägyptischen Präsidenten Hosni Mubarak sei. „Ich wollte einen internationalen diplomatischen Zwischenfall verhindern“, versicherte Berlusconi.Er bedaure, dass das Verfahren gegen ihn dem Ansehen Italiens im Ausland schade. „Ich bin nicht wegen mir besorgt. Ich bin ein reicher Herr, der sein Leben verbringen kann, Krankenhäuser für Kinder in der Welt zu bauen“, meinte der Regierungschef und Medienmogul. Laut seinem Rechtsanwalt Nicolo Ghedini sei nicht die Mailänder Justiz, sondern ein „Ministergericht“ verantwortlich, den Premierminister für Vergehen zu beurteilen, die er bei der Ausübung seines Amtes begangen habe.Inzwischen zieht der Sexskandal um Berlusconi weitere Kreise. Am Mittwoch wurde die Mailänder Wohnung eines Showgirls durchsucht, das in den Sog eines Prostitutionsskandals in Neapel geraten ist. Das Showgirl soll öfters SMS an den Premier geschickt haben. Sie hatte auch enge Beziehungen zum TV-Manager Lele Morat, der mit dem Regierungschef in den Strudel des Sexskandals in Mailand geraten ist. apa