Montag, 16. August 2021

Kabul: Evakuierungen laufen auf Hochtouren – US-Truppen am Flughafen

Nach der Übernahme Kabuls durch die militant-islamistischen Taliban laufen die Bemühungen westlicher Staaten, ihre Staatsbürger in Sicherheit zu bringen, auf Hochtouren. In der Nacht auf Montag begannen zahlreiche europäische Länder mit der Evakuierung ihrer Staatsbürger aus der afghanischen Hauptstadt.

Am Flughafen in Kabul herrschten chaotische Zustände. - Foto: © APA/afp / WAKIL KOHSAR
Derzeit herrschen in Kabul chaotische Zustände. Menschen versuchen verzweifelt aus der afghanischen Hauptstadt zu fliehen. In den sozialen Medien geteilte Videos sorgen für Entsetzen und zeigen, wie Menschen aus beträchtlicher Höhe von einem Militärflugzeug fallen, nachdem sie sich im Bereich der Flugzeugräder der Militärmaschine versteckt hatten. ( STOL hat berichtet)



Während Deutschland und andere Länder in der Nacht auf Montag mit der Evakuierung begonnen haben, brachte Schweden und Norwegen bereits ihr ganzes Personal ins Ausland. Der Sender CNN berichtete, dass auch die Evakuierung der US-Botschaft abgeschlossen sei.

Auch die US-amerikanische Flagge auf dem Gelände sei eingeholt worden. Anderen Medien zufolge wurde fast das gesamte Personal zum Flughafen gebracht. Eine offizielle Bestätigung gab es dafür allerdings nicht.

Italienische Luftwaffe in Rom gelandet


Auch Italien flog rund 70 Botschaftsangehörige und frühere Mitarbeiter aus Afghanistan aus. Die Maschine der italienischen Luftwaffe landete am Montagnachmittag auf dem Flughafen Fiumicino in Rom, wie das Außenministerium mitteilte.

Der Flug sei am Sonntag gestartet. Als nächstes sollen auch Afghanen evakuiert werden, die früher mit dem italienischen Verteidigungs- und dem Außenministerium zusammengearbeitet haben.

In der Nacht zum Montag landeten nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur 40 Mitarbeiter der deutschen Botschaft mit einem US-Flugzeug in Doha im Golfemirat Katar. An Bord der Maschine waren auch 4 Angehörige der Schweizer Vertretung in Afghanistan. Wenige Stunden später starteten am Morgen die ersten 3 Militärmaschinen der deutschen Bundeswehr mit Fallschirmjägern an Bord Richtung Kabul. Sie sollen die Evakuierung absichern.



US-Truppen müssen auf Flughafen wieder Ordnung und Sicherheit herstellen

Die US-Truppen am Flughafen Kabul müssen nach Angaben des Weißen Hauses zunächst Ordnung und Sicherheit wieder herstellen, bevor es ab Dienstag erneut Evakuierungsflüge geben kann. Die Soldatinnen und Soldaten würden „den Großteil des restlichen Tages“ damit verbringen, die Lage am Flughafen wieder unter Kontrolle zu bringen, sagte US-Präsident Joe Bidens stellvertretender nationaler Sicherheitsberater Jon Finer am Montag dem TV-Sender MSNBC.

Im Laufe des Tages und am Dienstag würden noch mehr US-Truppen am Flughafen ankommen, sagte Finer. Damit werde es „genügend Truppen geben, um die Sicherheit des Flughafens zu gewährleisten, damit es wieder Evakuierungsflüge für Zivilisten“ geben könne, erklärte Finer weiter.

Die US-Streitkräfte wollen in Kürze bis zu 5000 Soldaten am Flughafen stationiert haben. Ein Teil der Verstärkung ist schon vor Ort. Sie unterstützen die rund 1000 US-Soldaten, die bis Anfang letzter Woche noch zur Sicherung der Botschaft und des Flughafens in Afghanistan geblieben waren.



„Gefährlicher Einsatz für unsere Soldaten“


Es ist die bisher wohl größte Mission dieser Art der deutschen Bundeswehr - und eine besonders brisante. „Fest steht: Es ist ein gefährlicher Einsatz für unsere Soldaten“, äußerte das deutsche Verteidigungsministerium am Montag.

Die Bundeswehr war erst Ende Juni als Folge des Abzugs des US-Militärs nach einem 20-jährigen Einsatz aus Afghanistan abgezogen. Das Auswärtige Amt in Berlin gab keine Prognose ab zu der Frage, wie lange Evakuierungen aus Kabul noch möglich seien. Die Lage sei sehr unübersichtlich, sagt ein Ministeriumssprecher in Berlin.

Wie dänische Regierung mitteilte, sei eine Gruppe von Dänen und Norwegern am Abend aus dem Land gebracht worden, allerdings befänden sich mehrere hundert Dänen und afghanische Ortskräfte noch vor Ort. Es sei schwierig, mit ihnen in Kontakt zu kommen, weil das Mobilnetz zusammenbreche.


apa/dpa/stol