Kommende Woche könnten weitere Treffen mit den NEOS und den Grünen folgen. Denn der Wahlzweite und -dritte ÖVP und SPÖ haben zusammen nur ein Mandat Mehrheit und brauchen für eine stabile Regierung einen Dritten als Partner. <b>von Andreas Schwarz</b><BR /><BR />Bei der heutigen Runde soll es schon um erste Detailfragen in Sachen Budget gehen. Eine Expertengruppe soll „die finanziellen Rahmenbedingungen für eine mögliche künftige Regierung fachlich“ darstellen“, hieß es seitens der Volkspartei am Sonntag. In der Frage, wie auf das aus dem Ruder laufende Defizit der Republik (laut Prognose bereits 3,3 Prozent des BIP, Staatsschuldenquote über 77 Prozent) zu reagieren sei, liegen die Parteien nämlich meilenweit auseinander. <BR /><BR />Einstweilen hat es ja überhaupt nur ein Sondierungstreffen zwischen Bundeskanzler Karl Nehammer (52) und SPÖ-Chef Andreas Babler (51) gegeben – eine atmosphärische Annäherung der so ungleichen Politiker, dem pragmatischen Macher auf der einen und dem linkslinken Alt-Marxisten auf der anderen Seite. Nehammer sprach danach von einem „langen und wahrscheinlich steinigen Weg“, der vor den Verhandlern liege.<BR /><BR />Dass die Regierungssuche jetzt Fahrt aufnimmt, ist aus Sicht der Volkspartei auch hoch an der Zeit, denn die Zeichen stehen nicht so günstig: Einerseits wird der Wahlsieger FPÖ nicht müde, die angestrebte „Koalition der Verlierer“ zu konterkarieren, indem er Gegenpolitik macht: Vergangene Woche beispielsweise, als der neue Parlamentspräsident Walter Rosenkranz (62, FPÖ) den in Wien weilenden ungarischen Premier Viktor Orbán empfing, und FPÖ-Chef Herbert Kickl das zu einer scheinbar staatmännischen Show mit seinem Best Buddy aus Budapest machte (anders als sonst üblich waren andere Parlamentsparteien beim Treffen nicht dabei).<BR /><BR />Andererseits, weil just vor Beginn der Verhandlungen ÖVP-SPÖ die heimliche Nummer 2 der ÖVP, Europaministerin Karoline Edtstadler, ihren Rückzug ankündigte. Sie gab am Wochenende bekannt, für kein Ministeramt mehr zur Verfügung zu stehen – sie wolle sich auf ihr Nationalratsmandat konzentrieren und in ihrer Heimat Salzburg auf den Aufbau einer Anwaltskanzlei. Das nährte sofort Spekulationen über einen Zwist zwischen Nehammer und Edstadler, der oft nachgesagt wurde, den Kanzler beerben zu wollen. In den Medien wurde die ebenso fesche wie forsche Salzburgerin schon öfter als die bessere Alternative zum Kanzler gehandelt. Auch als Option für die EU-Kommissarin galt sie, Nehammer zog ihr dann aber Finanzminister Magnus Brunner vor. <BR /><BR />Der Kanzler ist zudem zum Erfolg der Regierungsgespräche mit der SPÖ verdammt, weil in der ÖVP nach wie vor Gruppen etwa aus Wirtschafts- und Industriekreisen keine Freude mit einer Koalition mit dem „roten Teufel“ haben und nur auf ein Scheitern warten – auf dass eine ÖVP ohne Nehammer dann doch mit der Kickl-FPÖ zu einer bürgerlichen Koalition zusammenkommt.<BR /><BR />Die hat der Kanzler ebenso wie seine nun abgehende Europaministerin ja auch nach der Wahl definitiv ausgeschlossen. Sie verhandelt zwar noch die neue Koalition mit, ist dann aber weg; ÖVP-Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka, ein glühender Gegner einer Ehe mit dem Rechtspopulisten Kickl, ist weg; Magnus Brunner, FPÖ-Gegner, ist in Brüssel – und Nehammer ist zunehmend allein zu Haus in seiner Ablehnung einer Zusammenarbeit mit der FPÖ.