„Ich glaube fest an die Integrität der Wahl, an die Integrität des afghanischen Volkes und an die Integrität der Regierung in diesem Prozess", sagte Karsai am Donnerstag in Kabul. „Bei jeder Wahl gibt es Probleme." Wenn es Betrug gegeben habe, dann sei er begrenzt gewesen. Nach dem vorläufigen Endergebnis hat Karsai bereits im ersten Wahlgang eine absolute Mehrheit erreicht.Karsais wichtigster Herausforderer Abdullah Abdullah kritisierte das „hässliche Bild des Betruges" durch das Karsai-Lager. Eine Koalition mit dem Präsidenten schloss er ausdrücklich aus. Karsai sagte: „Wenn Betrug begangen wurde, muss er untersucht werden, und fair untersucht werden." Der Präsident räumte ein: „Es gab Regierungsvertreter, die sehr, sehr parteiisch für mich waren. Andere Regierungsvertreter waren sehr, sehr parteiisch für Dr. Abdullah." Nach Angaben der Wahlkommission (IEC) hat Karsai 54,6 Prozent der Stimmen gewonnen. Abdullah kommt demnach auf 27,8 Prozent. Sollte Karsai die absolute Mehrheit auch nach Klärung der Betrugsvorwürfe halten, wäre keine Stichwahl nötig.Vor einem amtlichen Endergebnis müssen einer Anordnung der UN-unterstützten Beschwerdekommission (ECC) zufolge die Stimmen aus fast jedem zehnten Wahllokal neu gezählt und überprüft werden. Erst dann können ein amtliches Endergebnis und ein Wahlsieger verkündet werden. Die EU-Wahlbeobachtermission hatte am Mittwoch mitgeteilt, mehr als ein Viertel der Stimmen seien gefälscht oder zumindest verdächtig. Von den umstrittenen Stimmen seien mehr als zwei Drittel für Karsai abgegeben worden. Jede fünfte umstrittene Stimme habe Abdullah bekommen. Karsai hatte die Aussagen der EU scharf zurückgewiesen.Ex-Außenminister Abdullah sagte, eine Überprüfung der für ihn abgegebenen umstrittenen Stimmen werde deren Legitimität erweisen. Er forderte eine lückenlose Aufklärung der Betrugsvorwürfe. „Illegitime Herrschaft ist ein Rezept für Instabilität", warnte Abdullah. „Illegitime Herrschaft kann den Aufstand nur stärken. Die Sieger dieses Prozesses werden die Taliban sein. Sie werden sagen, Demokratie funktioniert in diesem Land nicht." Abdullah betonte: „Wir werden alles unterlassen, was zur Instabilität des Landes beiträgt." Proteste gegen das Wahlergebnis müssten friedlich und im Rahmen der Gesetze sein. Verantwortlich für Proteste seien aber die Wahlfälscher zu machen, nicht er.Abdullah kritisierte Karsais Regierungsführung scharf. „Unter der Führung dieses Herren ist aus einer goldenen Möglichkeit eine katastrophale Lage geworden", sagte Abdullah. Karsai kritisierte die internationalen Medien für eine "überwältigend negative Berichterstattung" über den Wahlprozess.dpa