Freitag, 20. Oktober 2017

Katalonien: Appell von Kompatscher und Rossi

Die Landeshauptleute aus Südtirol und dem Trentino, Arno Kompatscher und Ugo Rossi, haben am Donnerstag ein Schreiben an die spanische Regierung in Madrid und an die katalanische Regionalregierung in Barcelona gerichtet, in dem sie für einen konstruktiven Dialog eintreten. „Der Weg ist jener der Autonomie und der Selbstregierung innerhalb des Staates“, hieß es in dem Brief.

Landeshauptmann Arno Kompatscher und sein Trentiner Amtskollege Ugo Rossi.
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Landeshauptmann Arno Kompatscher und sein Trentiner Amtskollege Ugo Rossi.

Kompatscher und Rossi erklärten sich wegen der Zuspitzung der Situation in Katalonien besorgt. In einer Zeit starker Spannungen habe die Autonomie der Bevölkerung in Südtirol und dem Trentino Frieden und Wohlstand garantiert, schrieben die beiden Landeshauptleute.

Sie äußerten gegenüber dem spanischen Regierungschef Mariano Rajoy und dem Präsidenten Kataloniens, Carles Puigdemont, ihre Hoffnung, Spanien und Katalonien mögen sich einem „konstruktiven Dialog“ öffnen und in gegenseitiger Achtung und gegenseitigem Verständnis für den jeweils anderen Standpunkt verhandeln.

„Unsere Erfahrung bezeugt, dass die guten Argumente für die Autonomie nicht von Respekt für den Rechtsstaat, von Verhandlungen und von Verfassungsprinzipien absehen können“, schreiben Kompatscher und Rossi. Es sei wünschenswert, dass aufgrund der „neuen politischen, wirtschaftlichen und sozialen Dynamik“ auf nationaler und europäischer Ebene eine Debatte über die Zukunft der territorialen Institutionen und über die Möglichkeit starte, Regionalismus im internationalen Rahmen besser zu verwerten.

„Spanische Regierung hat falsch reagiert“

Der Senator der Südtiroler Volkspartei (SVP), Karl Zeller meinte, die europäischen Institutionen müssten in Katalonien aktiv werden. „Der Konflikt zwischen Katalonien und Spanien ist ein europäisches Problem und keine innerstaatliche Angelegenheit. In einer Familie, so wie es die europäische Union ist, dreht man sich nicht weg, wenn ein Mitglied Probleme hat, sondern man versucht, bei der Problemlösung zu helfen und zu vermitteln“, so Zeller in einer Pressemitteilung. Er widersprach damit den Aussagen der EU-Spitzen, die das „Problem“ bisher immer als „innerspanisches“ bezeichneten.

Die spanische Regierung habe „völlig falsch“ auf die Unabhängigkeitsbestrebungen der Katalanen reagiert. Durch die vehemente Ablehnung jeglichen Dialogs habe sie die jetzige Eskalierung herausgefordert. „Wie sich auch in der Südtirol-Frage gezeigt hat, geht es auch anders. Wir hatten zum Glück weitblickende Politiker wie Aldo Moro, Giulio Andreotti, Alcide Berloffa und Silvius Magnago“, so Zeller.

apa

stol