Freitag, 18. Oktober 2019

Katalonien-Konflikt spitzt sich zu

Massendemonstrationen, neue schwere Unruhen und ein 24-stündiger Generalstreik haben den Unabhängigkeitskonflikt in Katalonien bedrohlich angeheizt.

Krawalle in Barcelona. - Foto: © APA/afp / JOSEP LAGO

Mehr als eine halbe Million Menschen versammelten sich am Freitagabend nach Schätzung der Stadtpolizei im Zentrum der Regionalhauptstadt Barcelona, um gegen Haftstrafen für neun Separatistenführer zu protestieren.

Die Hauptkundgebung auf dem Prachtboulevard Passeig de Gracia im Zentrum Barcelonas verlief zwar ohne größere Zwischenfälle. Die Teilnehmer allen Alters forderten in zumeist ausgelassener Stimmung die Freilassung der „politischen Gefangenen“ und sangen auch die katalanische Hymne.



Unweit der Hauptkundgebung kam es aber auf einer Demo von mehreren Hundert zumeist jungen Menschen vor dem Polizeipräsidium erneut zu Zusammenstößen mit der Polizei. Es war der fünfte Krawalltag in Folge in Barcelona.

Zusammenstöße mit Polizei

Vermummte und dunkel gekleidete Antifa-Aktivisten, die in dieser großen Zahl erst seit kurzem an den Separatisten-Protesten teilnehmen, bewarfen Polizisten unter anderem mit Steinen und Eiern und zündeten erneut Müllcontainer an. Die Beamten setzten Schlagstöcke gegen die Krawallmacher ein. Wie die Polizei mitteilte, wurden drei Kundgebungsteilnehmer – darunter zwei Minderjährige – festgenommen. Ein Beamter sei verletzt worden.

Die Proteste erreichten auch die Sagrada Familia, eines der Wahrzeichen Barcelonas. Hunderte Demonstranten blockierten zeitweise die Zugänge zum weltberühmten Gotteshaus. Später wurden die Pforten der bis heute unvollendeten Basilika des Architekten Antoni Gaudí (1852-1926) komplett geschlossen, „um die Sicherheit von Besuchern, Arbeitern und Belegschaft zu garantieren“.

An der Großkundgebung nahmen auch rund 30.000 Menschen teil, die in fünf „Märschen für die Freiheit“ nach Barcelona gekommen waren. Sie hatten sich vor einigen Tagen – begleitet unter anderem von zahlreichen Traktoren – von verschiedenen Städten aus auf den Weg nach Barcelona gemacht.

Reaktion auf Urteile

Die Aktionen sind eine Reaktion auf Urteile des Obersten Gerichts in Madrid, das am Montag sieben ehemalige Spitzenpolitiker der abtrünnigen Region und zwei Anführer ziviler Organisationen des Aufruhrs für schuldig befunden hatte (STOL hat berichtet).

Wegen ihrer Rolle bei dem illegalen Abspaltungsreferendum vom Oktober 2017 wurden sie zu Gefängnisstrafen von bis zu 13 Jahren verurteilt. Seither gibt es in Katalonien massive Proteste von Befürwortern einer Unabhängigkeit der vergleichsweise wohlhabenden Region im Nordosten Spaniens.

apa/dpa/stol