Donnerstag, 05. Dezember 2019

Katzen gefährden Artenvielfalt: Ausgehverbot gefordert

Hauskatzen sollten künftig nach Ansicht niederländischer Juristen nicht mehr umherstreunen dürfen. Die Tiere gefährdeten die Artenvielfalt insbesondere von Vögeln, begründen Arie Trouwborst und Han Somsen von der Universität Tilburg ihren radikalen Vorstoß. Rechtliche Handhabe für ein solches Verbot bieten demnach Richtlinien der EU.

Derzeit stellen Hauskatzen eine Gefahr für mindestens 367 bedrohte Arten dar.
Derzeit stellen Hauskatzen eine Gefahr für mindestens 367 bedrohte Arten dar. - Foto: © shutterstock

Der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) bewertet die Forderung allerdings skeptisch. „Das Katzenproblem muss man ernst nehmen“, sagt Nabu-Vogelexperte Lars Lachmann. Ein Ausgehverbot könne bei der Gefährdung lokaler Populationen mancherorts durchaus sinnvoll sein. Flächendeckend sei eine solche Maßnahme rechtlich aber nicht begründbar.

Trouwborst und Somsen argumentieren in einem kürzlich im „Journal of Environmental Law“ veröffentlichten Beitrag, Katzen seien eine invasive Art, die vor Jahrtausenden von Vorderasien nach Europa gebracht wurde. Inzwischen zählten Katzen global zu den am weitesten verbreiteten Räubern und richteten riesige Schäden an.Dies liege auch daran, dass die Tiere sehr zahlreich seien und eine wesentlich höhere Populationsdichte aufwiesen als Fleischfresser ähnlicher Größe.

„Weltweit waren Hauskatzen an der Ausrottung von mindestens 2 Reptilienarten, 21 Säugetierarten und 40 Vogelarten beteiligt – das heißt an 26 Prozent aller bekannten derzeitigen Ausrottungen in diesen Tiergruppen“, so Trouwborst und Somsen. „Derzeit stellen Hauskatzen eine Gefahr für mindestens 367 bedrohte Arten dar.“ Mit Zahlen aus den USA unterstreicht das Duo die Größenordnung. Dort töten Katzen demnach jährlich geschätzt knapp 100 bis 300 Millionen Amphibien, rund 260 bis 820 Millionen Reptilien, 1,3 bis 4 Milliarden Vögel und 6,3 bis 22,3 Milliarden Säugetiere. Nabu-Experte Lachmann schätzt, dass Katzen in Deutschland pro Jahr 25 bis 100 Millionen Vögel – bei einem Gesamtbestand von 500 Millionen – erlegen. „Das ist schon eine große Zahl.“

Trouwborst und Somsen halten es für kaum verständlich, dass Interessen von Hauskatzen über denen der von ihnen gefährdeten Arten stünden. Auch die Privatinteressen der Katzenhalter wögen nicht schwerer als das öffentliche Interesse an einem Erhalt der Artenvielfalt. Dennoch stellen sie fest: „Nach unserem Wissen hält derzeit nicht ein einziger Mitgliedsstaat Katzenhalter davon ab, ihre Haustiere streunen zu lassen“ – obwohl die EU-Schutzbestimmungen dies verlangten.

Warum kein Staat gegen Katzen vorgehe? „Wir spekulieren, dass die Zurückhaltung der EU-Mitgliedsstaaten, das Hauskatzenproblem effektiv anzugehen, zumindest teilweise von der vermutlichen Unpopularität solcher Handlungen in manchen Teilen der Gesellschaft herrührt“, schreiben die Juristen und betonen, dies erkläre zwar die Untätigkeit, rechtfertige sie aber keineswegs.

apa/dpa