Donnerstag, 25. Juni 2015

Kaufleute: Aus Angst um Benko-Projekt "hinterrücks versenkt"

Bozens Kaufleute-Obmann Thomas Rizzolli ist "baff" - und überaus erbost. Denn: Dass eine einzelne Person aus persönlichem Interesse eine Stadtregierung versenke, sei untragbar.

Thomas Rizzolli ist "entsetzt" über das Verhalten von Anna Pitarelli.
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Thomas Rizzolli ist "entsetzt" über das Verhalten von Anna Pitarelli.

Er ist im Urlaub und doch kreisen seine Gedanken derzeit wohl mehr darum, was in seiner Heimat - speziell der Landeshauptstadt - abgeht. Rizzolli ist über die Geschehnisse im Bozner Gemeinderat informiert (STOL hat berichtet) und legt im Gespräch mit STOL auch gleich los: "Ich bin ohne Worte. Was sie gemacht hat, ist unter aller Kritik", wettert der Kaufleuteobmann über Anna Pitarelli und deren Abstimmungsverhalten.

Aus persönlichem Interesse gehandelt

"Die wochenlange harte Arbeit rund um die Bildung einer Koalition hat sie mit ihrem Nein hinterrücks versenkt", so Rizzolli. Und dies, weil sie persönliche vor politische Interessen gestellt habe. Pitarelli habe doch die Möglichkeit gehabt, offen zu sagen, dass sie es nicht mittrage. 

Rizzolli poltert auch in Bezug auf die Kosten, die der Allgemeinheit aufgrund der jetzigen Situation und der wohl unausweichlichen Neuwahlen entstünden.

Benko-Projekt: Politik dem Großhandel ausgeliefert

Woher der Wind weht, verhehlt Rizzolli aber keineswegs, immerhin treten die Bozner Kaufleute offen gegen das Benko-Projekt auf. Pitarelli hingegen ist Verfechterin des Kaufhaus-Projektes von Benko am Bozner Bahnhof. 

"Eine Monopolstellung schafft Druck auf die Gemeinde", ist Rizzolli überzeugt. Dies zeige sich auch in der aktuellen Situation. Am Anfang habe es so ausgesehen, dass es nur Positives zum Benko-Projekt gebe. Nun, da die Schattenseiten immer offensichtlicher würden, sich Gegenwind, ja ein totaler Meinungsumschwung eingestellt habe, "hat man das Ganze gleich versenkt", so Rizzolli.

Das seien die Gefahren, wenn man sich dem Großhandel ausliefere. "In Südtirol und auch in Bozen sind wir das nur nicht gewohnt", so der Kaufleuteobmann.

"Ich bin auch dafür, dass sich in Bozen etwas bewegt, doch nicht auf diese Weise", so Rizzolli erbost. 

Kommissär oder Gericht: Wer entscheidet?

Mit Blick auf die Zukunft meint Rizzolli: "Man wird sehen, wie der Kommissär sich verhält, was er darf und machen kann." Doch allein die Tatsache, dass ein nicht demokratisches Gremium sich mit so einem wichtigen Projekt befasse, hält Rizzolli für "undemokratisch".

Sprich: Ihm wäre lieber, "wenn ein demokratisch gewähltes Gremium über Sein oder Nichtsein in dieser Sache entscheidet". Dann könne man die Entscheidung auch gelten lassen.

Doch nun würden sich letztendlich die Gerichte mit der Causa "Kaufhaus Bozen" beschäftigen.

stol/ker

stol