Freitag, 05. März 2021

„Kein feindseliger Akt gegen Australien“

Nach dem Export-Stopp für Corona-Impfstoffe des Herstellers Astrazeneca hat Italien betont, dass das von Rom erwirkte Verbot dem Gesundheitsschutz dienen soll und keine Attacke gegen Australien sei. „Das Ganze ist kein feindseliger Akt Italiens gegen Australien“, schrieb Außenminister Luigi Di Maio am Donnerstagabend auf Facebook.

Italien hat die Lieferung von 250.000 Dosen des britisch-schwedischen Herstellers Astrazeneca an Australien verhindert.
Italien hat die Lieferung von 250.000 Dosen des britisch-schwedischen Herstellers Astrazeneca an Australien verhindert. - Foto: © APA/afp / TIZIANA FABI
Das Verbot sei Teil einer am 30. Jänner in Europa beschlossenen Export-Kontrollregelung.

Die Verzögerungen bei der Verteilung der Impfstoffe in der Europäischen Union (EU) seien „nicht akzeptabel“, unterstrich Di Maio. „Und wir erwarten, dass sich die von uns bezogene Position positiv auf die europäische Impfkampagne auswirkt.“

Am Donnerstag war in Brüssel bekannt geworden, dass Italien die Lieferung von 250.000 Dosen des britisch-schwedischen Herstellers Astrazeneca an Australien verhindert hat. Damit wurde erstmals die Corona-Impfstoff-Ausfuhr aus der EU in einen Drittstaat gestoppt. Die Exportkontrollen richten sich besonders gegen Hersteller, die ihre EU-Lieferpflichten nicht erfüllen.

Der Fünf-Sterne-Politiker Di Maio erläuterte, dass man am 24. Februar den Antrag von Astrazeneca zur Lieferung nach Australien erhalten habe. Rom habe „die Bremse gezogen“. Gründe seien, dass Australien nicht als stark betroffen von der Pandemie gelte. In der EU dagegen herrsche Impfstoff-Mangel: „250.000 Dosen, das ist viel“, schrieb er.

Australiens Regierung enttäuscht, aber auch Verständnis

Premier Scott Morrison sagte am Freitag nach einer Kabinettssitzung, er verstehe die Gründe, warum Italien als zuständiges EU-Land die Ausfuhr der Dosen gestoppt habe. „In Italien sterben etwa 300 Menschen am Tag“, erklärte er Medien zufolge vor Reportern. „Sie befinden sich in einer unkontrollierten Krisensituation. Das ist in Australien nicht der Fall.“

Ungeachtet dessen rief Australien die EU-Kommission an, die Entscheidung noch einmal zu überdenken, wie Gesundheitsminister Greg Hunt vor Journalisten sagte. Die heimische Impfkampagne werde durch den Wegfall der 250.000 Dosen aber nicht beeinträchtigt.

Australien hat seit Beginn der Pandemie wegen extrem strikter Maßnahmen und drastischer Grenzschließungen nur rund 29.000 Coronavirus-Fälle verzeichnet – eine deutlich niedrigere Pro-Kopf-Rate als in den meisten Industrieländern. Die Zahl der Todesfälle liegt derzeit bei 909. In dem Land leben rund 25 Millionen Menschen.

Finanzminister Simon Birmingham sagte Sender Sky News, die Welt befinde sich derzeit in einem ziemlich unerforschtem Gebiet. Da sei es wenig überraschend, „dass einige Länder das Regelbuch zerreißen werden“.

dpa