Der Begriff „Hotspot“ ist bisher meist nur Südeuropäern bekannt: An neuralgischen Punkten Europas hat die EU Registrierungsstellen für Flüchtlinge eingerichtet. Auf Lampedusa, Kos, Sizilien, beispielsweise. Die Flüchtlinge sollen in den Zentren identifiziert und registriert werden sowie einen Asylantrag stellen können.Mit der Ankündigung die Grenzen bei Erreichen einer Obergrenze dicht zu machen, hat Österreich nicht nur die östlichen Nachbarn, sondern auch Italien aufgeschreckt. Innenminister Alfano rechnet mit 400.000 Menschen, die, sollte die Balkan-Route tatsächlich blockiert werden, über Italien ihren Weg ins Herz der EU suchen könnten. Wie soll Italien mit den vielen Menschen umgehen? Wie sollen Schutzbedürftige kontrolliert einreisen? Der Innenminister hat seine Antwort auf diese Fragen bereits gefunden. Die Lösung heißt – im Norden wie im Süden – „Hotspot“.Zwei Hotspots an der Grenze zu ÖsterreichEinen in Tarvis und einen am Brenner: Glaubt man italienischen Medien am Dienstag, soll Innenminster Alfano gleich zwei neue Flüchtlings-Registrierungsstellen an der Grenze zu Österreich ins Auge gefasst haben. Auch österreichische Medien hatten bereits von einem Hotspot südlich des Brenners berichtet. Und an der slowenischen Grenze sollen, so berichten Medien, zwei weitere aus dem Boden gestampft werden, in der Nähe von Görz und Triest.Landeshauptmann: Alfano hat keinen Hotspot angekündigtLandeshauptmann Arno Kompatscher reagiert auf diese Nachricht recht gelassen. „Angelino Alfano hat keinen Hotspot am Brenner angekündigt“, sagt er im Gespräch mit STOL. „Auf mehrere Medien-Nachfragen, ob Hotspots auch am Brenner und in Tarvis entstehen könnten, meinte er lediglich: Das werde überprüft. Innenminister Alfano war da sehr vorsichtig.“Rückendeckung bekommt der Landeshauptmann aus Rom: Kammerabgeordneter Daniel Alfreider und Senator Karl Zeller haben am Dienstag Ministerpräsident Matteo Renzi und Alfano getroffen. Zu ihnen habe der Innenminister betont, dass es derzeit in Sachen Hotspot „keinen Handlungsbedarf“ gebe. Denn noch würden Deutschland, Österreich und die anderen Staaten weiterhin Flüchtlinge aufnehmen. Alles Weitere hänge dann davon ab, wie sich im Frühjahr die Flüchtlingsströme entwickeln, heißt es aus Rom.Der Hotspot am Brenner scheint abgewendet – zumindest vorerst. Trotzdem stellt der Landeshauptmann klar: Für diese „Überprüfung“ der Einrichtung eines Hotspot im Norden Italiens „könnte ich dem Innenminister allerdings nie böse sein“. Denn am Ende trage Alfano damit nur der Forderung Südtirols Rechnung.„Eine gute Nachricht“„Wenn die Menschen über Slowenien nach Südtirol kommen, würden sie von den Hotspots im Süden nicht erfasst und könnten so auch nicht auf das gesamte Staatsgebiet aufgeteilt werden“, denkt Kompatscher weiter. „Somit bekämen wir weiterhin unsere Quote an Flüchtlingen auf gesamtstaatlicher Ebene zugeteilt. Aber kein Mensch würde sich darum scheren, dass wir zusätzlich weitere 100 Menschen, oder mehr, zu betreuen hätten.“Mit Registrierungsstellen im Nordosten des Landes würde dagegen sichergestellt, dass Südtirol auch weiterhin „nur“ die vereinbarten 0,9 Prozent an Asylantragstellern in Italien aufnehme. „Deswegen ist das, was Alfano sagt, keine schlimme Nachricht, sondern eine gute. Allerdings wäre es logisch, den Hotspot an der slowenischen Grenze einzurichten“, meint der Landeshauptmann.stol/pg