Donnerstag, 28. September 2017

(K)Ein Vahrner Schilderstreit

Gemeinderatssitzungen werden selten von viel Publikum beehrt. Anders am Mittwoch in Vahrn: Ein Beschlussantrag zu einnamigen Panoramatafeln zog etliche Zuschauer an – und die erlebten einen (fast) geeinten Gemeinderat.

Eine der Brixner Panoramatafeln. - Foto: Josef Öttl
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Eine der Brixner Panoramatafeln. - Foto: Josef Öttl

Es war der Verschönerungsverein, der bereits vor zwei Jahren den Vahrner Toponomastik-Stein ins Rollen gebracht hatte: Die Touristiker hatten vorgeschlagen, die 40 Jahre alten Panoramatafeln auf dem Gemeindegebiet durch neue zu ersetzen. Eigentlich keine Sache, die Aufsehen erregen müsste. Eigentlich.

Öttl: Wir wissen, Toponomastik ist ein heikles Thema

Der Entwurf für die neuen Tafeln sah aber auch die Nennung einiger italienischsprachiger Namen vor, „zumindest der wichtigsten“, erklärt Josef Öttl, Obmann des Vahrner Verschönerungsvereins, auf STOL-Nachfrage.

Die Vahrner Touristiker nahmen sich dabei das Brixner Beispiel zum Vorbild, das ebenso zweisprachige Panoramatafeln vorsieht. Die Namen habe man gängigen Wanderkarten entnommen.

Eine Idee, die nicht bei allen gut ankam, auch bei Walter Kofler nicht. Der Gemeinderat der Dorfliste „Gemeinsam für Vahrn“ stellte deswegen einen entsprechenden Beschlussantrag an den Gemeinderat.

Einnamigkeit gefordert

Darin hält Kofler fest, dass „vor fast 50 Jahren auf allen Panoramatafeln ausschließlich die angestammten deutschen Bezeichnungen der Flurnamen verzeichnet sind. Heute sind wir mittlerweile soweit, dass fast alle Flurnamen übersetzt sind. Wir haben zugeschaut, wie immer mehr Namen übersetzt wurden. Wir haben zugeschaut, wie Kartografen willkürlich Tolomei'sche und erfundene Namen eingesetzt haben.“

Deswegen fordere er den Gemeinderat auf, die deutschsprachigen Namen zukünftig in ihrer Einnamigkeit zu belassen bzw. richtigzustellen. Die Einnamigkeit solle bei Bedarf mit „monte“, „lago“ oder „frazione“ ergänzt werden.

Sollte der Gemeinderat von Vahrn sich nicht ausdrücklich für seinen Antrag aussprechen, dann hätte, so Kofler, Tolomei über kurz oder lang gewonnen.

Seit Mittwochabend steht fest: Kofler hat gewonnen, sein Antrag wurde bei einer Gegenstimme angenommen.

Kofler: Haben Präzedenzfall geschaffen

„Die Genehmigung dieses Antrags freut mich umso mehr, weil dadurch auch andere Gemeinden, welche sich in einer ähnlichen Sackgasse befinden, nun einen Präzedenzfall haben, wonach sie sich richten können“, erklärt Kofler in einer Aussendung am Donnerstag.

Für ihn habe der Beschluss auch deswegen „eine besondere Tragweite“, da SVP-Bürgermeister Andreas Schatzer dem Antrag auch zustimmte. Und Schatzer sei ja nicht nur Bürgermeister, sondern auch Präsident des Südtiroler Gemeindenverbands.

Der Vahrner Verschönerungsverein wird trotzdem neue Panoramatafeln aufstellen, sie werden freilich weniger italienische Namen aufweisen.

stol/aw

stol