Interview: Karl Tschurtschenthaler<BR /><BR /><b>Herr Falkensteiner, nach 15 Jahren in der Kiener Gemeindepolitik, einer Amtszeit als Vizebürgermeister und zwei Amtszeiten als Bürgermeister, ziehen Sie nun einen Schlussstrich. Warum?</b><BR />Andreas Falkensteiner: Ich finde, es ist nun Zeit, neue Wege einzuschlagen. Die Entscheidung ist mir nicht leichtgefallen – und ich habe lange hin und her überlegt. Letztendlich habe ich dann aber zusammen mit meiner Familie beschlossen, nicht mehr anzutreten.<BR /><BR /><b>Hängt Ihre Entscheidung auch mit Ihrer überstandenen Erkrankung zusammen? Sie haben ja im Juni 2023 zwei Herzinfarkte erlitten.</b><BR />Falkensteiner: Ich habe mich davon Gott sei Dank sehr gut erholt – wahrscheinlich auch deshalb, weil ich mir seither mehr Zeit für mich nehme, mich regelmäßig bewege und auch Sport betreibe. Dennoch ist es so, dass ich mich seither insgesamt nicht mehr so belastbar fühle. Ja, insofern spielte meine Krankengeschichte auch eine Rolle bei meiner Entscheidung.<BR /><BR /><b>Was überwiegt angesichts des bevorstehenden Abschiedes – das lachende oder das weinende Auge?</b><BR />Falkensteiner: Es ist beides da, einen Tag mehr das eine, an einem anderen Tag dann mehr das andere.<h3> Dauerbrenner Umfahrungsstraße</h3><b>Wenn Sie auf die 10 Jahre als Bürgermeister zurückblicken – welches Thema hat die Gemeindeverwaltung da am meisten beschäftigt?</b><BR />Falkensteiner: Der Dauerbrenner war sicher die Umfahrungsstraße. Wir sind da zwar nicht der Bauherr, das ist ja das Land, aber als Gemeinde ist man doch eingebunden. Anfangs waren nicht alle mit der Trasse einverstanden, da wurde ich auch scharf angegriffen.<BR /><BR /><b>Sind Sie zufrieden mit den Baufortschritten?</b><BR />Falkensteiner: Insgesamt bin ich zufrieden, wenngleich es immer wieder Verzögerungen gegeben hat – und auch neuerdings gibt. Verantwortlich dafür ist vor allem die Planung des Projektes, die insgesamt nicht gut war. Etliche Dinge wurden nicht berücksichtigt – und das hat dann immer wieder für Probleme gesorgt.<BR /><BR /><b>Sie sagen, es gibt neue Verzögerungen beim Tunnelbau?</b><BR />Falkensteiner: Ja. Letzthin ist man bei den Bohrarbeiten unerwartet auf große Findlinge, dann auf Grundwasser gestoßen. Dadurch wurden die Arbeiten eingebremst. Wir reden hier von etwa einem Monat mehr Bauzeit.<BR /><BR /><b>Was war Ihnen in Ihrer Amtszeit noch wichtig?</b><BR />Falkensteiner: Die Gemeinde Kiens hat nur wenig Trinkwasser. Das haben wir in den vergangenen Jahren zu lösen versucht, indem wir alle Quellen im Gemeindegebiet neu gefasst und viele Trinkwasserleitungen erneuert haben. Zudem haben wir eine Leitung von St. Lorenzen her gebaut, um zusätzliches Wasser zu erhalten. Wenn dann auch noch die restlichen Trinkwasserleitungen ausgetauscht sowie der neue Trinkwasserspeicher am Getzenberg und die Ringleitung nach St. Sigmund gebaut sind, dann sind wir wassermäßig für die Zukunft gut gerüstet.<h3> Verwirklichung von Projekten</h3><b>Es wurde in den vergangenen Jahren auch einiges anderes gebaut.</b><BR />Falkensteiner: Einiges konnten wir verwirklichen, etwa den Kindergarten und die Kindertagesstätte sowie die Bibliothek in Kiens oder auch das Vereinshaus in Hofern. Ehrenburg bekam eine neue Feuerwehrhalle, in St. Sigmund wurden die Schule erneuert und der Jugendraum gebaut. Dort und in Kiens sollen demnächst die Feuerwehrhallen erneuert werden. Wichtig waren uns auch die Kinderspielplätze, die wir entweder erneuert oder neu gebaut haben bzw. das noch tun werden. Was mich in diesem Zusammenhang auch freut, ist die Tatsache, dass wir trotz der vielen Investitionen als Gemeinde keine Schulden gemacht haben und die neue Verwaltung damit ihre Arbeit unbelastet aufnehmen kann.<BR /><BR /><b>Gab es auch Vorhaben, die Sie nicht verwirklichen konnten?</b><BR />Falkensteiner: Das Fernheizwerk. Ich habe das stark unterstützt, habe im Gemeinderat aber keine Mehrheit dafür gefunden. Das ist zu akzeptieren.<BR /><BR /><b>Wie geht es in dieser Angelegenheit weiter?</b><BR />Falkensteiner: Ich denke, die Sache ist einstweilen vom Tisch, weil die staatlichen PNRR-Gelder auslaufen. In Kiens tut sich diesbezüglich jedenfalls nichts.<h3> Rückgrat der Gesellschaft</h3><b>Was war Ihnen noch wichtig?</b><BR />Falkensteiner: Die Vereine. Wir haben 49 Vereine – und das ist ein großes Glück für die Gemeinde. Die Vereine sind sozusagen das Rückgrat des gesellschaftlichen Lebens und der Kitt, der vieles zusammenhält. Daher haben wir die Vereine immer großzügig unterstützt. Jährlich gibt es 150.000 Euro an ordentlichen Beiträgen. Das ist zwar viel Geld – aber die Vereine sind es auf alle Fälle wert.<BR /><BR /><b>Zu den Problemen der Gemeinde Kiens zählen laut dem Gemeindeentwicklungsprogramm die Einrichtungen für ältere Menschen und die gesundheitliche Versorgung. Wie geht es hier weiter?</b><BR />Falkensteiner: An beidem arbeiten wir. Inzwischen hat ein Arzt seine Tätigkeit in Ehrenburg aufgenommen, das von der Gemeinde eingerichtete Ambulatorium in Kiens ist noch frei. Da hoffen wir auf einen zweiten Arzt, sind aber auch auf den Sanitätsbetrieb angewiesen. Kiens bräuchte mit seinen mehr als 3.000 Einwohnern notwendig zwei Hausärzte. Für Senioren sollen in St. Sigmund Altenwohnungen und Einrichtungen für betreutes Wohnen entstehen.<BR /><BR /><b>Was werden Sie nach Ihrem Ausscheiden aus der Politik tun?</b><BR />Falkensteiner: Ich bin ja nach wie vor in unserem Unternehmen tätig. In dieses sind im Vorjahr auch meine beiden Söhne eingestiegen, die ich nun in ihrer Arbeit begleiten werde. Ansonsten möchte ich mir mehr Zeit für mich nehmen und ich werde künftig auch mehr mit meiner Frau unternehmen. Das ist in den vergangenen Jahren zu kurz gekommen.<BR /><BR /> <a href="https://www.stol.it/suche/Abschieds-Interview" target="_blank" class="external-link-new-window" title="">Hier finden Sie weitere Abschieds-Interviews mit den scheidenden Bürgermeister und Bürgermeisterinnen.</a>