Eine Welle von Anti-KI-Werbung taucht derzeit auf Fernsehbildschirmen, Plakatwänden und Social-Media-Feeds weltweit auf. So etwa verspottet Polaroid Tech-Giganten mit Plakaten an Bushaltestellen in unmittelbarer Nähe der Apple Stores in Manhattan und des New Yorker Hauptsitzes von Google. Und das Versprechen der Modemarke Aerie, in seinen Werbeanzeigen keine KI zu verwenden, war der beliebteste Instagram-Post der Marke im vergangenen Jahr. <BR /><BR />In Indien startete die Süßigkeitenmarke Cadbury 5 Star eine Kampagne mit dem Titel „Make AI Mediocre Again“ („Macht KI wieder mittelmäßig“) – eine fiktive Bewegung, die das Internet mit sinnlosen Websites fluten sollte, um Datensammler zu täuschen.<h3> Seelenlose Werbekampagnen</h3>Von KI-Tools erzeugte Werbeanzeigen haben bereits für reichlich Kontroversen gesorgt. Coca-Cola zum Beispiel läutete im vergangenen Jahr die Feiertage mit einer Kampagne ein, die eine Flotte leuchtender Lastwagen, Eisbärenfamilien und lächelnde Gesichter zeigte – alles KI-generiert. Im Sommer 2024 veröffentlichte Toys „R“ Us eine von OpenAIs Sora erstellte Werbung, in der der Gründer Charles Lazarus als Junge dargestellt wurde.<BR /><BR />Beide Kampagnen wurden online als seelenlos verspottet und dafür kritisiert, menschliche Kreativität durch Automatisierung zu ersetzen. Auch H&M, Skechers und Guess wurden für den Einsatz von KI-Markenbotschaftern anstelle menschlicher Models kritisiert.<BR /><BR />Eine Studie der US-Denkfabrik Pew Research Center ergab, dass obwohl die meisten Amerikaner es für wichtig hielten, KI- von menschlich erzeugten Inhalten unterscheiden zu können, gaben nur zwölf Prozent an, sich dazu tatsächlich in der Lage zu fühlen. KI-Anzeigen lösen drei Prozent weniger starke positive Emotionen und zwölf Prozent häufiger Misstrauen aus. <BR /><BR />„Das Gehirn hat für alles, was wir erleben, ein inneres Schema oder eine Blaupause. Wenn etwas leicht davon abweicht, sendet das ein Signal, dass etwas nicht stimmt“, so die globale Leiterin für Werbewirksamkeit beim Marktforschungsunternehmen NielsenIQ. Am empfindlichsten sei dieser Effekt bei Anzeigen mit menschlichen Gesichtern, Bewegungen und Interaktionen<h3> Gen Z das Flicken beibringen</h3>Wie auch immer. Ganz analog und bodenständig ist die Marke Levi’s unterwegs: Sie startet mit dem „Wear Longer Project“ eine Reparaturinitiative für Teenager. 41 Prozent der Gen Z könnten keinen Knopf annähen – doppelt so viele wie bei älteren Generationen. Dabei würden 35 Prozent ihre Kleidung länger tragen, wenn sie Reparaturen beherrschten. <BR /><BR />Das kostenlose Online-Curriculum des Jeanskonzerns vermittelt Schülern praktische Fertigkeiten vom Knopfannähen bis zum Säumen. Levi’s-Mitarbeiter geben als Botschafter Workshops in Schulen, zunächst in San Francisco, später weltweit. In Südtirol wurden noch keine gesichtet.<BR /><BR /><i>Mauro Stoffella, Medien- und Kommunikationsexperte</i>