Montag, 03. September 2018

Kinder und Jugendliche ermutigen und Teilhabe fördern

Nicht alle Minderjährigen haben die gleichen Chancen auf ein gelingendes Kind- und Jugendsein, erfährt Paula Maria Ladstätter in der Kinder- und Jugendanwaltschaft täglich. 16 Prozent der Südtiroler Kinder leben in Haushalten, in denen das Einkommen nicht zum Auskommen reicht. Das wirke sich auf das Lernen und Wohlbefinden der Schülerinnen und Schüler aus. Armutsbetroffene Kinder und Jugendliche seien häufiger von Mobbing betroffen, sagt die Kinder- und Jugendanwältin Paula Maria Ladstätter.

Zu Schulbeginn verschlimmert sich die finanzielle Situation in vielen Familien.
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Zu Schulbeginn verschlimmert sich die finanzielle Situation in vielen Familien. - Foto: © APA/DPA

Jede sechste Familie in Südtirol lebt an oder unter der Armutsgrenze, hat das Arbeitsförderungsinstitut AFI im heurigen Frühjahr gemeinsam mit dem Sozialforschungsinstitut Apollis festgestellt (die Daten beziehen sich auf das Erhebungsjahr 2015). Die ursächlichen Faktoren für Armut sind vielfältig: Unterbeschäftigung, ein zu niedriges Einkommen, zu viele abhängige Familienmitglieder, Alter, Bildungsniveau, Geschlecht, Migrationshintergrund oder die Art der Beschäftigung.

Schule bringt zusätzliche Kosten

Die Kinder- und Jugendanwaltschaft (Kija) hat immer wieder mit armutsbetroffenen Familien zu tun. Deren Situation verschärfe sich zu Schulbeginn. Schulmaterialien und Bekleidung kosten. Die finanzielle Situation mancher Familien verschlimmere sich in diesen Tagen enorm, sagt die Kinder- und Jugendanwältin. Innerfamiliärer Streit sei vorprogrammiert. „Armut ist ein Risiko für die kindliche Entwicklung und schränkt alle Lebensbereiche ein“, erklärt Paula Maria Ladstätter.

Das beginne bei der Grundversorgung, gehe über kulturelle Kernkompetenzen, betreffe nicht zuletzt den Gesundheitszustand, finde seinen Niederschlag in mangelnden oder schwierigen sozialen Kontakten und wirke sich auf eingeschränkte Möglichkeiten der Freizeitgestaltung aus: „Es geht nicht nur um materielle Armut, sondern auch um einen begrenzten Zugang zu öffentlichen Ressourcen und um emotionale Belastungen“, sagt Paula Maria Ladstätter.

Mobbing oft als Folge

Oft sei Mobbing in Schule und sozialen Medien die Folge. „Kinder erleben und fühlen das sehr stark“, sagt die Kinder- und Jugendanwältin. Es präge sie für das ganze Leben. Armutsprävention müsse sich durch Maßnahmen zur Stärkung der einzelnen Kinder und Jugendlichen und deren Familien auszeichnen und zum anderen in kindergerechten gesellschaftlichen Rahmenbedingungen zeigen. Es sei ein grundlegendes Recht jedes Kindes und Jugendlichen, die besten Entwicklungsmöglichkeiten zu haben. „Kinder zu ermutigen ist eine gesamtgesellschaftspolitische Aufgabe“, sagt Paula Maria Ladstätter.

Es liege an jedem einzelnen, als Eltern, Freunde, Lehrpersonen und Sozialdienste, genau hinzuschauen, Probleme zu erkennen und gegen Herabwürdigungen aufzutreten.

stol

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