Michael Epp steht der Zorn ins Gesicht geschrieben. „Eingeladen wurden wir Bürgermeister übers Wochenende für Montag. Gesagt wurde uns, dass da nicht viel passiert.“ Dann das jähe Erwachen: „796 Seiten, die sehr wohl Einschränkungen nach sich ziehen, die existenzbedrohend sind. In Truden liegen die Natura2000-Gebiete nicht irgendwo über 2000 Metern, sondern sind Mähwiesen mitten im Dorf“, so der Bürgermeister. Hinzu komme die Realteilung im Unterland mit kleinparzellierten Höfen. Weniger Mist oder Gülle bedeutet mehr Biodiversität, aber auch weniger Heu und weniger Großvieheinheiten. „Die wurden aber schon mit der flächenbezogenen Landwirtschaft reduziert. Bald können die Bauern zusperren“, ätzt Epp.<BR /><BR />„Natürlich geht es um Berg-Mähwiesen, aber nicht nur“, sagt Monika Hilber Dalvai. Montan habe sich einen sanften Tourismus aufgebaut. Befürchtet werden Einschränkungen bei Wanderwegen und Forstwegen zur Waldbewirtschaftung. „Nichts gegen Umweltschutz, aber dafür ist die Akzeptanz im Gebiet nicht gegeben.“ Hilber und Epp stehen nicht alleine da. Nahezu geschlossen haben die 55 Natura2000-Gebiete negative Gutachten zu den neuen Erhaltungszielen und -maßnahmen abgegeben. Sie betreffen 150.000 Hektar und damit ein Fünftel der Südtiroler Landesfläche.<h3> Auch Land steht unter Druck</h3>„Ich verstehe den Unmut. In Zukunft werden wir das Verfahren für Landespläne ändern und den Gemeinden mehr Zeit geben“, sagt Landesrat Peter Brunner. Auch inhaltlich versuche man, die Bauern zu unterstützen. Freilich stehe auch das Land unter Druck, denn es droht ein Vertragsverletzungsverfahren der EU „mit Strafen, Streichung von Beiträgen und vielleicht sogar Rückzahlungen“, so Brunner. Schnell, schnell musste das Land die 2015 schon einmal, aber zu schwammig definierten Ziele und Maßnahmen für jedes einzelne der 44 Natura2000-Gebiete innerhalb 2024 überarbeiten. <BR /><BR /><embed id="dtext86-68758383_quote" /><BR />5 Kategorien von Wiesen gibt es und diese werden nach 2016 nun in diesem Frühling und Sommer noch einmal unter die Lupe genommen. „Wird eine Verschlechterung festgestellt, sind Maßnahmen zu setzen, wie weniger Gülle/Mist, was weniger Ertrag und weniger Kühe bedeutet“, so Brunner. Auch in Absprache mit Rom werde man aber „alle Spielräume nutzen, um die Quadratur des Kreises zwischen Biodiversität und Bewirtschaftung zu schaffen. Die Regeln dürfen nicht so scharf sein, dass wir Existenzen aufs Spiel setzen.“ Groß sei der Spielraum aber nicht, meint Brunner.<h3> Warten auf das Gutachten der Gemeinde</h3> Den ungeliebten Job, Düngepläne auszuarbeiten, hat Natura2000-Landesrat Luis Walcher. Der will sich jetzt alle Gutachten der Gemeinden geben lassen. „Bei so einem geballten Widerstand sollte die öffentliche Hand innehalten. Wir können von den Leuten viel verlangen, müssen sie aber mitnehmen. Wenn Nachhaltigkeit bedeutet, dass die Bauern nicht mehr arbeiten dürfen, muss man mir den Begriff erklären.“<BR /><BR />Auch Gemeinden-Präsident Andreas Schatzer mahnt zu Kompromissen. „Diese müssen möglich sein. Wenn Wiesen nicht mehr bearbeitet werden und auf den Almen kein Vieh mehr aufgetrieben wird, ist keinem gedient.“