Montag, 04. November 2019

Kleinkindbetreuung: „Niemand will verantwortlich sein“

Schon seit Monaten mach der Landesverband für Sozialberufe (LVS) immer wieder auf die niedrige Entlohnung in der Kleinkindbetreuung aufmerksam. Vor Kurzem gab es ein Treffen mit der Politik und der Genossenschaft.

Die Kleinkindbetreuung wird weiterhin schlecht bezahlt.
Badge Local
Die Kleinkindbetreuung wird weiterhin schlecht bezahlt. - Foto: © shutterstock

„Familie und Arbeitswelt sind 2 unserer wichtigsten Lebensbereiche.
Sie miteinander zu vereinbaren, ist deshalb eine der wichtigen Zukunftsaufgaben in unser Land“, betont LVS-Geschäftsführerin Marta von Wohlgemuth.

„Südtirol, ein Land, das ein Qualitätszeichen bei landwirtschaftlichen Produkten und Lebensmitteln führt und für die Herkunft aus Südtirol bürgt, sollte auch für eine angemessene Entlohnung der Kleinkindbetreuerinnen bürgen.“

Das Angebot der Kleinkindbetreuung ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen, doch auch in diesem Bereich lasse sich eine Markt- und Wettbewerbslogik erkennen. Diese wiederum habe einen Preisverfall und Niedriglöhne zur Folge.

„Nicht selten sind es die Anbieterinnen selber, die die Betreuungsleistungen unter ihrem eigentlichen Wert anbieten“, so von Wohlgemuth.

Am 24. Oktober hatte Landesrätin Waltraud Deeg zu einem Treffen
eingeladen. „Dabei fiel auf, dass die Verantwortungen von einem zum anderen weitergereicht werden“, resümiert von Wohlgemuth.

„Auf der einen Seite klagen die Sozialgenossenschaften über zu wenig Geld und machen die Politik dafür verantwortlich, die Politik bzw. die zuständige Landesrätin legt die Zahlen vor und die Gewerkschaften versuchen zu vermitteln.“

„Tatsache ist, dass bei den Kleinkindbetreuerinnen ein Nettolohn von 1200 Euro ankommt und das trotz der hohen Anforderungen seitens der Eltern und der Sozialgenossenschaften, dazu kommen noch Personalmangel, nicht bezahlte Überstunden und ein hoher Betreuungsschlüssel.“

Über eines war man sich dennoch einig: Ein Landeszusatzvertrag als Ergänzung zum nationalen Kollektivvertrag sei die einzige realistische Möglichkeit, um die berufliche Realität der Kleinkindbetreuerinnen, Tagesmütter und -väter zu verbessern.

Zudem sei über die Ausschreibungen sicherzustellen, dass die verschiedenen Anbieterinnen den genannten Landeszusatzvertrag anwenden müssen.

„Damit wir in Südtirol nicht nur schriftliche, sondern gelebte Qualität für diesen wertvollen Betreuungsdienst angeboten werden kann.“

liz