Dienstag, 07. April 2020

Ohne Mundschutz vor die Tür: So regelt das Land die Strafen

Bei der virtuellen Medienkonferenz der Landesregierung waren am Dienstagnachmittag Landeshauptmann Arno Kompatscher, Landeshauptmann-Stellvertreter Giuliano Vettorato, Gesundheitslandesrat Thomas Widmann und Patrick Franzoni, verantwortlicher Arzt der Covid-Abteilung am Krankenhaus Bozen anwesend.

Landeshauptmann Arno Kompatscher bei der virtuellen Medienkonferenz.
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Landeshauptmann Arno Kompatscher bei der virtuellen Medienkonferenz. - Foto: © youtube / screenshot
Vize-Landeshauptmann Vettorato eröffnete die Pressekonferenz mit einem Appell an die Bevölkerung: „Wir müssen noch so weitermachen wie bisher, nur so kommen wir aus der Krise. Es ist schwierig, aber notwendig. Jetzt gilt es, den Weg aus der Isolation zu planen.“

Danach legte Landesrat Widmann die aktuellen Zahlen vor. Die Zahl der positiv getesteten Personen ist am Dienstag auf 1791 gestiegen. 290 Personen werden mittlerweile als geheilt eingestuft. Die Zahl der Todesopfer in Zusammenhang mit Covid-19 liegt bei 110 in den Krankenhäusern und bei 62 in den Seniorenheimen, insgesamt also bei 172.

Danach ging Widmann auf die Polemik um die Schutzmasken ein. „Die Gesundheit der Mitarbeiter ist das oberste Prinzip“, versicherte der Landesrat. „Die Standards in Südtirol sind höher als die Vorgaben des staatlichen ISS und der Weltgesundheitsorganisation“.

Der Arzt Patrick Franzoni schilderte anhand von verschiedenen Masken (FFP-2 und OP-Masken) die korrekte Anwendung der Schutzausrüstung und legte Zahlen aus den Krankenhäusern vor: „Eine FFP-2-Maske schützt das medizinische Personal bei der Arbeit mit Covid-19-Infizierten. Eine OP-Maske schützt nicht in erster Linie den Träger, sondern vor allem andere Personen vor Infektionen.“ Pro Tag verbrauchen die Krankenhäuser in Südtirol 27.000 OP-Masken, 10.000 FFP-2-Masken, 10.000 Einheiten anderer Schutzausrüstung und 50 aseptische Schutzanzüge. „In den Intensivstationen werden nur FFP-3-Masken verwendet, diese Masken werden auch nur für Intensivstationen gebraucht“, betonte Franzoni. FFP-3-Masken verbraucht der Sanitätsbetrieb 1200 pro Tag, diese Masken waren immer zur Genüge da. „Stand heute (Dienstag) haben wir 60.000 FFP-3-Masken auf Lager. Die EU redet von FFP-2 und FFP-3-Masken, diese filtern 94 bzw. 98 Prozent der Partikel. Die WHO, die USA und China reden von KN-95-Standards. Unsere Masken im Umgang mit Corona-Patienten sind KN-95-Standard“, so Franzoni, „nur in den Intensivstationen verwenden wir FFP-3-Masken“.

Danach meldete sich Landeshauptmann Kompatscher mit aktuellen Infos aus der Landesregierung zu Wort. Dabei ging es um die Unterstützungsmaßnahmen für in finanzielle Schwierigkeiten geratene Familien und Betriebe. „Der Landtag kommt uns da entgegen. Wir haben die Wege verkürzt, schon am Donnerstag wird sich der Gesetzgebungsausschuss mit den Vorlagen der Landesregierung befassen“. Die Auszahlungen brauchen eine gesetzliche Grundlage, die kommt vom Landtag.

Andere Maßnahmen, die keiner gesetzlichen Grundlage bedürfen, gehen direkt über die Landesregierung, wie z.B. Lohnausgleichskasse usw. Da es lange dauern kann bis das INPS die Beträge auszahlt, will das Land über die Bedingungen für Kredite reden. Schon am Mittwoch will Kompatscher die Konditionen bekanntgeben: „Es wird einen günstigen Kredit für Familien geben, auch wird es keine Spesen zu Lasten der Kredit-Empfänger geben. Unternehmen mit bis zu 5 Mitarbeitern sollen günstige Kredite bis 35.000 Euro bekommen“.

Am Dienstag waren auch die verschiedenen Wirtschaftsverbände in die Gespräche eingebunden, dabei ging es um Pakete für mittlere und große Unternehmen. „Es braucht ein paar Tage mehr Zeit, denn es kommen weitere Mittel vom Staat. Sobald diese Vorgaben bekannt sind, werden wir ein Paket schnüren. Ein gutes Paket in 2-3 Tagen ist immer besser als ein Schnellschuss, der niemandem hilft“, so Kompatscher. „Wichtig ist, dass die Hilfen unbürokratisch über die Bühne gehen. Online ansuchen, auszahlen und dann kontrollieren wir“.
Was die Strafen bei Missachtung der Mundschutz-Pflicht betrifft, stellte Kompatscher klar: „Ein Kleinkind wird sich den Mundschutz sicher vom Mund ziehen. Da können wir nicht strafen“. Auch beim Blumengießen im eigenen Garten braucht es keinen Mundschutz. Einzig bei Kontakten mit anderen Menschen, wie etwa beim Einkaufen, ist der Mundschutz unbedingt notwendig. „Und da sind die Ordnungshüter angehalten, den Mundschutz zu kontrollieren und gegebenenfalls zu strafen“.

Alle Artikel sowie die Übersichtskarten der Lage in Südtirol, in Italien und weltweit mit allen aktuellen Zahlen in Sachen Coronavirus finden Sie hier.

zor

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