Sonntag, 11. Juni 2017

Kompatscher über Autonomie: „Hände nicht in den Schoß legen“

Landeshauptmann Arno Kompatscher hat in seiner Rede am Sonntag anlässlich der Feier zu 25 Jahren Streitbeilegung die Geschichte Südtirols Revue passieren lassen.

Arno Kompatscher bei seiner Ansprache im Meraner Kursaal. - Foto: DLife
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Arno Kompatscher bei seiner Ansprache im Meraner Kursaal. - Foto: DLife

Es sei eine große Ehre, den Bundespräsidenten Alexander Van der Bellen und den Staatspräsidenten Sergio Mattarella im Meraner Kursaal empfangen zu dürfen, der so eng mit der Geschichte der Südtiroler Autonomie verwoben ist, erklärte Landeshauptmann Arno Kompatscher in seiner Rede.

Die beiden Staatsoberhäupter hätten mit ihrer Teilnahme an der Feier ein wichtiges Zeichen gesetzt.

Anschließend ließ Kompatscher die Geschichte Südtirols erneut Revue passieren, vom Gruber-Degasperi-Abkommen im Jahr 1946 über die Unzufriedenheit der Südtiroler mit diesem und das Los von Trient im Jahre 1957 auf Schloss Sigmundskron bis hin zur sogenannten Feuernacht am 11. Juni 1961.

Erst 1992 erklärten Italien und Österreich alle im Operationskalender von 1969 ausgemachten Punkte als erfüllt.

„Dank der Autonomie ist Südtirol heute in einer guten wirtschaftlichen und kulturellen Lage, die als europäisches und internationales Vorbild gilt. Autonomie bedeutet für uns auch Verantwortung. Sie hat uns Solidarität gelehrt, die wir unter anderem bei den Erdbeben in Mittelitalien gut einsetzen konnten.“

„Autonomie ist uns nicht in den Schoß gefallen“

Die Autonomie sei den Südtirolern nicht in den Schoß gefallen: Sie sei eine leidvolle Geschichte, ein Ergebnis zäher Verhandlungen und auch einer gewissen Portion Sturheit und Unnachgiebigkeit. Außerdem seinen zahlreiche wichtige Persönlichkeiten und Namen, wie etwa Gruber, Degasperi, Kreisky, Saragat, Moro und viele mehr untrennbar damit verwoben.

Es wurde lange gekämpft, um die Autonomie so zu formen, wie sie heute ist. Dies sei allerdings keineswegs der Zeitpunkt, die Hände in den Schoß zu legen: „Die Autonomie muss ständig weiterentwickelt werden, sie muss den neuen Erfordernissen angepasst werden.“ Es seien bereits Änderungen erfolgt, andere müssten noch folgen.

Nur im respektvollen Dialog sei es möglich, Südtirols Autonomie auch in Zukunft als wirksames Schutz- und Entwicklungsinstrument zu bewahren, das es erlaubt, die Identitäten zu schützen, unsere Kultur und Tradition zu wahren und gleichzeitig neue Brücken zu schlagen.

„Mit unserem kulturellen Reichtum, unserer Mehrsprachigkeit und unserer Funktion als Brücke zwischen dem deutsch-österreichischen und dem italienischen Raum verstehen wir uns als kleines Europa in Europa. Wir sind ein Abbild des europäischen Ideals. Auch dafür lieben wir unser Land“, schloss Kompatscher.

stol/liz

stol